Kameramann

31. Mai 2020 12:37; Akt: 31.05.2020 12:43 Print

«Ein Polizist dreht sich um und zielt direkt auf mich»

Ein Journalist ist bei Ausschreitungen in den USA verletzt worden. Die Polizei hat seinen Angaben zufolge direkt auf ihn gezielt, obwohl er klar als Pressevertreter erkennbar war.

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Bei den Protesten gegen Rassismus in Minneapolis sind am Samstagabend zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters durch Gummigeschosse der Polizei verletzt worden. Der Vorfall ereignet sich, als die Polizei kurz nach Inkrafttreten der Ausgangssperre um 20 Uhr gegen rund 500 Demonstranten mit Gummigeschossen und Tränengas vorrückte. Aufnahmen des Reuters-Kameramannes Julio-Cesar Chavez zeigen, wie ein Polizist direkt auf ihn zielt. «Ein Polizist, den ich gerade filme, dreht sich um, zielt mit seinem Gummigeschoss-Gewehr direkt auf mich», berichtete Chavez. Minuten später wurden Chavez und der Reuters-Sicherheitsberater Rodney Seward von Gummigeschossen getroffen, als sie bei einer Tankstelle in Deckung gehen wollen.

Auf der Filmaufnahme des Kameramannes, die während der Flucht der beiden weiterlief, sind mehrere Schüsse zu hören. Seward schreit auf: «Ein Gummigeschoss hat mich im Gesicht getroffen.» In einer späteren Aufnahme ist Seward zu sehen, wie er von einem Sanitäter vor Ort behandelt wird. Unter seinem linken Auge klafft eine tiefe Wunde. Chavez wurde im Genick getroffen. Beide Männer haben Verletzungen an den Armen. Die Reuters-Mitarbeiter waren klar als Pressevertreter zu erkennen. Chavez trug eine Kamera und seinen Presseausweis um den Hals. Seward hatte eine schusssichere Weste an mit der Aufschrift Presse.

Ein Sprecher der Polizeidirektion von Minneapolis, der zu dem Vorfall befragt wurde, verlangte eine Kopie der TV-Aufnahme und machte ansonsten zunächst keine Angaben. Das Ereignis ist der bislang letzte Angriff auf Journalisten, die über die Proteste in den USA seit dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis berichten. Am Freitag wurde ein schwarzer CNN-Journalist vor laufender Kamera festgenommen, als er über die Kundgebungen in der Stadt berichtete. In Aufnahmen aus Louisville, Kentucky, ist zu sehen, wie eine TV-Reporterin aufschreit: «Auf mich wird geschossen!» Sie wird vor laufender Kamera getroffen, vermutlich von einem Pfefferspraygeschoss. Die Polizei in Louisville bat später um Entschuldigung.

Das Reporter-Komitee für Pressefreiheit hat der New York Times zufolge rund zehn Berichte über ähnliche Vorfälle während Demonstrationen erhalten, sie reichen von Angriffen bis Bedrohungen.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pepe am 03.06.2020 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Dass es auf Wikipedia ganze Artikel gibt, die die Personen auflisten, die von der US-Polizei erschossen wurden, spricht für sich. Spoiler-Alert : es gibt für jeden Monat einen Artikel, im Schnitt wird jede Woche ein US-Bürger von der Polizei erschossen...

  • Gaby am 31.05.2020 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist die amerikanische Freiheit, die man anderen Ländern aufzwingen will. Jeder hat ne Knarre in der Tasche und die Polizei ist auf Krawall gedrillt. Sogar der Präsident hat jegliches Mass an Verantwortung verloren.

  • Jean Muller am 31.05.2020 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Die US-Tradition, auf Reuters-Reporter zu ballern ist ja schon etwas älter. Für etwaige Nachfragen können Sie Sich vertrauensvoll an Chelsea Manning oder Julian Assange wenden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pepe am 03.06.2020 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Dass es auf Wikipedia ganze Artikel gibt, die die Personen auflisten, die von der US-Polizei erschossen wurden, spricht für sich. Spoiler-Alert : es gibt für jeden Monat einen Artikel, im Schnitt wird jede Woche ein US-Bürger von der Polizei erschossen...

  • jimbo am 01.06.2020 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mittendrin, statt nur dabei!

  • Jean Muller am 31.05.2020 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Die US-Tradition, auf Reuters-Reporter zu ballern ist ja schon etwas älter. Für etwaige Nachfragen können Sie Sich vertrauensvoll an Chelsea Manning oder Julian Assange wenden.

  • Gaby am 31.05.2020 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist die amerikanische Freiheit, die man anderen Ländern aufzwingen will. Jeder hat ne Knarre in der Tasche und die Polizei ist auf Krawall gedrillt. Sogar der Präsident hat jegliches Mass an Verantwortung verloren.