Robin Gosens

31. März 2020 16:52; Akt: 31.03.2020 16:52 Print

Das Corona-​​Gesicht des deutschen Fußballs

Noch vor einem Monat war Robin Gosens in seiner Heimat nur Fußball-Kennern ein Begriff. Das hat sich durch die Corona-Tragödie in Bergamo verändert.

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Es ist das Wuhan Europas. Bergamo mit seinen 120 000 Einwohnern ist zum Epizentrum der Coronavirus-Pandemie geworden. Und mittendrin stehen die Fußballer von Atalanta Bergamo, die eigentlich der große Stolz der lombardischen Stadt sind. Zu ihnen gehören der Schweizer Nationalspieler Remo Freuler oder der deutsche Fußballer Robin Gosens.

Der 25-jährige Außenverteidiger ist aktuell der gefragteste Fußballer Deutschlands. An den letzten drei Samstagen ging im ZDF kein Aktuelles Sportstudio über die Bühne, an denen er aus der häuslichen Quarantäne nicht live zugeschaltet oder kein Beitrag über ihn zu sehen gewesen wäre. Das war keineswegs dem Sensationsjournalismus geschuldet, sondern der Tatsache, dass Gosens ein überaus intelligenter junger Mann ist, der es versteht, sich gekonnt auszudrücken. Seine Aussagen rütteln auf und können dadurch auch viel bewegen.

Eine Schlüsselfigur in der Gesundheitskampagne

«Das ist an Traurigkeit aktuell nicht zu überbieten, was bei uns passiert», sagte er etwa. Sein Gesichtsausdruck widerspiegelte dabei die ungeheuerliche Niedergeschlagenheit. «Ich hoffe und bete, dass wir ein schreckliches Vorbild für andere Länder sein dürfen. Ich glaube, dass es eine Warnung sein sollte, sich so gut wie möglich auf so einen Zustand vorzubereiten.»

Gosens appellierte auch immer wieder an die Menschen, dass nun jeder Einzelne dringend zu Hause bleiben sollte. Und wenn das ein Fußballer sagt, dann fährt das Leuten seiner Generation vermutlich schon mehr ein, als wenn die Bundeskanzlerin dazu aufruft. Deshalb ist Gosens auch zu einer Schlüsselfigur in der deutschen Wir-bleiben-Zuhause-Kampagne geworden.

Vom Dorfclub in die Champions League

Die Pandemie hat auch die persönliche Geschichte von Robin Gosens, die sich eigentlich wie ein Fußball-Märchen liest, vorerst zum Erliegen gebracht. Er war nie eines der hochgehandelten Talente in Deutschland. Mit 18 Jahren kickte Gosens noch beim VfL Rhede, Landesliga Niederrhein, Gruppe 2. Ein Dorfclub, bei dem primär die Geselligkeit im Vordergrund stand. «Es gab Nächte, in denen wir mehr oder weniger direkt vom Club zum Spiel gestolpert sind», verriet Gosens im vergangenen Herbst gegenüber 11Freunde.

Der Profifußball war für ihn damals etwa so fern wie der VfL Rhede von der Bundesliga. Als Teenager wollte Gosens eigentlich Polizist werden, schloss zunächst aber das Abitur mit der Note 2,0 ab. Entdeckt wurde er gleichwohl, allerdings führte ihn der Weg in die Niederlande. Über den Nachwuchs von Vitesse Arnheim und den FC Dordrecht landete der Linksverteidiger bei Heracles Almelo. Dort fiel er den Talentspähern von Bergamo auf. 2017 wechselte er nach Norditalien.

Bei Atalanta ist Gosens zum Schlüsselspieler geworden und hat, auch wenn er vor der Corona-Pandemie und seinen Medienauftritten in seiner Heimat nur Insidern ein Begriff war, das Interesse von Großclubs auf sich gezogen. Borussia Dortmund, Schalke und Chelsea werden unter anderem als mögliche neue Arbeitgeber gehandelt. Mit Rekordnationalspieler und Sky-Experte Lothar Matthäus hat er auch einen prominenten Fürsprecher, der unlängst ein erstmaliges Aufgebot für ihn in der deutschen Nationalmannschaft gefordert hat.

Das Karriere-Highlight als Auslöser der Tragödie?

Das sportliche Highlight von Atalanta Bergamo und der bisherige Karriere-Höhepunkt von Gosens war die jüngst herausgespielte Viertelfinale-Qualifikation in der Champions League. Doch genau diese Sternstunde könnte zur großen Tragödie in der Stadt geführt haben. Am 19. Februar bei der 4:1-Gala im Achtelfinale gegen Valencia feierten über 44 000 Menschen gemeinsam im Mailänder San Siro und tausende beim Public Viewing daheim in Bergamo.

Danach explodierten die Corona-Fallzahlen, weshalb man Atalanta - Valencia nun auch oft als das «Spiel Null» bezeichnet. Diese Befürchtungen beschäftigen auch Robin Gosens: «Da macht man sich natürlich schon einen Kopf darüber, ob dieses Spiel wirklich der Auslöser für diesen schlimmen Zustand war.»

(L'essentiel/mal)

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