Theater um Barça-Abschied

01. September 2020 14:20; Akt: 01.09.2020 14:38 Print

Droht Messi ein Jahr auf der Tribüne?

Lionel Messi will die Katalanen verlassen. Sein Entschluss scheint zu stehen, selbst den Corona-Test verweigerte er. Doch alles scheint auf eine Schlammschlacht hinauszulaufen.

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Sein Fehlen beim Mannschaftstraining könnte für Messi teuer werden. (Bild: DPA/Eric Alonso)

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Der Konflikt um Lionel Messi, den FC Barcelona und den einseitigen Abschiedswunsch spitzt sich seit Sonntag immer weiter zu. Da war Messi den obligatorischen Coronavirus-Tests ferngeblieben, dann teilte die spanische Profiliga mit, dass er den Club nicht ablösefrei verlassen dürfe. Und: Die Ablöseklausel in seinem bis Juni 2021 laufenden Vertrag (die sich laut übereinstimmenden Medienberichten auf 758 Millionen Euro beläuft) habe weiterhin Gültigkeit.

Am Montag dann das nächste Kapitel im Streit zwischen Spieler und Club: Der 33-jährige Argentinier blieb dem Mannschaftstraining fern. Am Dienstag das gleiche Bild: Messi streikte, kam nicht zum Training. Für den Argentinier könnte das Fehlen seit Sonntag teuer werden.

Denn: Nach dem spanischen Arbeitsrecht könne das unentschuldigte Fernbleiben vom Arbeitsplatz an drei Tagen in Folge mit einer Geldstrafe in Höhe von 25 Prozent des Monatsgehalts geahndet werden, wie die Fachzeitungen Marca, Sport und andere schrieben. Bei einem kolportierten Monatsgehalt von knapp drei Millionen Euro würde Messi das also womöglich 700.000 Euro kosten. Viel Geld, doch ihm scheint das egal zu sein. Er hat anscheinend nur ein Ziel: Die Katalanen verlassen – zu jedem Preis.

Erinnerungen an Bernd Schuster

Ob ihm das schließlich gelingen wird, ist unklar. Sicher ist derzeit nur, dass Messis Aufstand ihn die Liebe der Barcelona-Fans kostet. In einer Online-Umfrage der katalanischen Sportzeitung Mundo Deportivo meinten am Montag knapp 78 Prozent von mehr als 36.000 Teilnehmern, sie könnten Messis Verhalten nicht gutheißen. Und: Zu einem Protest gegen den Club-Präsidenten Bartomeu und für den Verbleib von Messi erschienen am Wochenende vor dem Camp Nou nur noch gut ein Dutzend Fans. Vor einer Woche, als Messis Wechselwunsch bekannt wurde, waren es deutlich mehr.

Der Frust der Barça-Fans ist verständlich. Vielleicht denken sie auch an den deutschen Fußballer Bernd Schuster. Der lag 1987 auch im Streit mit dem damaligen Club-Boss José Luis Nunez, probte den Aufstand. Die Folge: Schuster spielte eine ganze Saison lang nicht und wechselte dann im Sommer 1988 zum Erzrivalen Real Madrid.

Klar, dass Messi zu Madrid wechselt, scheint derzeit – trotz allem – unwahrscheinlich. Doch wer hätte auch gedacht, dass der Argentinier den FC Barcelona verlassen möchte? Könnte also durchaus sein, dass der 33-Jährige – wie Schuster – stur bleibt und gar in Kauf nimmt, eine Saison lang auf der Tribüne zu verbringen. Bitter wäre es. Und das nicht nur für ihn – auch für den Weltfußball.

270 Millionen Euro Handgeld

Es ist also zu hoffen, dass sich die Parteien zusammenraufen, miteinander reden. Und die Chance besteht ja auch noch. So ist für Mittwoch ein Treffen zwischen Bartomeu und Messis Vater Jorge angesetzt. Letzterer wird dabei nochmals fordern, dass man seinen Sohn ablösefrei ziehen lassen soll. Und der Barcelona-Präsident? Der wird um einen der weltbesten Fußballer kämpfen. Versuchen, ihn im Club zu behalten. Wie ESPN berichtet, wird der Präsident Messi deshalb einen neuen Zweijahresvertrag anbieten.

Ob dieser einen solchen unterschreibt, darf aber wohl bezweifelt werden. Schließlich wäre dann das Streiken Messis nahezu umsonst gewesen. Ebenso würde der 33-Jährige an Glaubwürdigkeit einbüßen. Und: Man City bietet dem Argentinier laut englischen Medienberichten einen Mega-Vertrag an. Der Club von Pep Guardiola soll laut The Athletic für fünf Jahre jeweils umgerechnet rund 65 Millionen Euro offerieren. Hinzu käme bei einem ablösefreien Transfer ein Handgeld für den Argentinier, das je nach Quelle bis zu 250 Millionen Euro beträgt.

(L'essentiel/Nils Hänggi)

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