Tour de France

28. August 2020 08:14; Akt: 28.08.2020 08:15 Print

«Jeder Tag kann der letzte sein»

Die Infektionszahlen steigen weiter an. Trotzdem soll im Risikogebiet an der Côte d’Azur am Samstag der Startschuss zur Tour de France mit Zuschauern erfolgen.

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Dieses Jahr gibt es keine normale Tour. 2019 gewann Egan Bernal die Tour, sein Teamkollege Geraint Thomas fuhr auf Rang 2, Steven Kruijswijk durfte sich über den 3. Platz freuen. (Bild: KEYSTONE)

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Pünktlich zum Start der 107. Tour de France herrscht in Nizza Alarmstufe Rot. Nachdem die Corona-Infektionen dramatisch angestiegen sind, haben die Behörden die Maßnahmen verschärft. Die ersten beiden Etappen in und um Nizza werden nun «fast hinter verschlossenen Türen» stattfinden, kündigte Bernard Gonzalez als Präfekt der Alpes-Maritimes-Region an.

So herrscht eine bizarre Szenerie. Auf der berühmten Promenade des Anglais von Nizza ist Gelb die vorherrschende Farbe. Auf den ersten Blick ist alles wie immer vor dem Grand Départ. Das nicht ganz so billige Pflaster an der Côte d’Azur steht ganz im Zeichen der Tour, die sich in großen Plakaten ankündigt und am Samstag tatsächlich losrollen will. Doch auf den Straßen tragen die Menschen indes Schutzmasken, die in Nizza seit geraumer Zeit Pflicht sind. So sieht es aus, wenn eine Frankreich-Rundfahrt in einem Corona-Risikogebiet beginnt.

«Lieber eine Tour ohne Zuschauer als gar keine Tour»

Es wird eine Reise ins Ungewisse. Ob die Tour tatsächlich nach 3484,2 Kilometern die Hauptstadt Paris erreichen wird, ist mehr als fraglich. «Das schwebt wie ein Damoklesschwert über uns, dass jeder Tag der letzte sein kann», sagt etwa der viermalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin.

Dem Deutschen, der zum zwölften Mal beim Grand Départ dabei ist, sind die steigenden Infektionszahlen nicht entgangen. Kurz vor dem Start wurde ein Höchstwert von der französischen Gesundheitsbehörde registriert. Mehr als 5000 Neuinfektionen in Frankreich an einem Tag. Das Gebiet wurde am Donnerstag neben 18 weiteren Départements als rote Zone eingestuft. Das heißt, dass dort eine erhöhte Ansteckungsgefahr herrscht.

Dass Zuschauer – wenn auch limitiert – während der Tour überhaupt am Straßenrand stehen dürfen, kann Martin nicht verstehen. «Die Situation verschlechtert sich von Tag zu Tag», gibt der Radprofi zu bedenken und fügt hinzu: «Lieber eine Tour ohne Zuschauer als gar keine Tour.»

Aber die Tour ist französisches Nationalheiligtum. Und da gehört das Publikum nun einmal dazu. «Eine Tour hinter verschlossenen Türen macht keinen Sinn», sagt Tour-Chef Christian Prudhomme. Doch macht eine Tour in Krisenzeiten überhaupt Sinn? Für Experten wie Pharmakologe Fritz Sörgel ein unverantwortliches Unterfangen, für die arg gebeutelten Radteams indes eine fast schon existenzielle Notwendigkeit. 70 Prozent des Jahresetats werden durch die Tour generiert.

Dafür nehmen die Mannschaften auch ein striktes Corona-Maßnahmenkonzept auf sich. In einer eigenen Blase werden die Fahrer und ihre unmittelbare Entourage von der «Außenwelt» abgeschottet, müssen quasi außerhalb des Rennens überall Masken tragen und sich zweimal vor der Tour sowie an den Ruhetagen Corona-Tests unterziehen. Knifflig wird es, wenn innerhalb einer Woche in einem Team zwei Kontrollen positiv sind. Dann soll der ganze Rennstall ausgeschlossen werden.

Bernal oder Roglic?

Neben der ganzen Testerei – die Dopingkontrolleure kommen natürlich auch vorbei – soll in die Pedale getreten werden. Favoriten sind insbesondere zwei Fahrer zu nennen: Vorjahressieger Egan Bernal und Vuelta-Champion Primoz Roglic.

Der Kolumbianer ist im Vorjahr mit 22 Jahren und 196 Tagen zum jüngsten Toursieger seit 1909 aufgestiegen. Vor der Tour gewann er den teaminternen Machtkampf mit den Ex-Siegern Chris Froome und Geraint Thomas, die erst gar nicht im Aufgebot stehen. Gegen Roglic konnte er sich in dieser Saison aber nicht durchsetzen. Der Ex-Skispringer ist bislang der Überflieger der Saison, aber auch er blieb nicht vom Sturzpech verschont. «Ich bin bereit», sagte der Slowene.

(L'essentiel/nih/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • WhaleWhisperer am 28.08.2020 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Das geht nun aber zu weit, die Tour "auf verschlossenen Strassen" zu fahren und das Zuschauen am Strassenrand zu verbieten! Wenn optimaler Schutz und Maskierung aus sanitären Gründen notwendig, müssten zum Preis von 2,5 EUR (soviel kostet ein Kaffee auf einer Terrasse) von der Stadt (zum Beispiel durch die "Pecherten" in Nizza) FFP2 Masken an alle Zuschauer am Strassenrand verteilt und von denen obligatorisch getragen werden. FFP2 Masken lassen das Virus weder rein noch raus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • WhaleWhisperer am 28.08.2020 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Das geht nun aber zu weit, die Tour "auf verschlossenen Strassen" zu fahren und das Zuschauen am Strassenrand zu verbieten! Wenn optimaler Schutz und Maskierung aus sanitären Gründen notwendig, müssten zum Preis von 2,5 EUR (soviel kostet ein Kaffee auf einer Terrasse) von der Stadt (zum Beispiel durch die "Pecherten" in Nizza) FFP2 Masken an alle Zuschauer am Strassenrand verteilt und von denen obligatorisch getragen werden. FFP2 Masken lassen das Virus weder rein noch raus.