Flüchtlingskrise – 115 Menschen ertrinken vor Ägyptens Küste

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Flüchtlingskrise115 Menschen ertrinken vor Ägyptens Küste

Zwei Tage nach dem Kentern eines Flüchtlingsboots vor der ägyptischen Küste sind 115 Personen aus dem Mittelmeer tot geborgen worden.

Der Untergang eines Flüchtlingsbootes vor der ägyptischen Mittelmeerküste am Mittwoch hat mindestens 115 Menschen das Leben gekostet. Das teilte Mohammed Sultan, der Gouverneur der Provinz Al-Buhaira, heute mit. Es werde befürchtet, dass Dutzende weitere bei dem Unglück ums Leben gekommen seien, sagte er der Nachrichtenagentur AP.

Das vermutlich mit Hunderten Menschen völlig überladene Boot war vor zwei Tagen von Ägypten aus Richtung Europa gestartet und etwa 12 Kilometer von der Hafenstadt Rosetta entfernt gekentert. Viele der Opfer waren Behördenangaben zufolge Frauen und Kinder, die nicht schwimmen konnten. Rund 150 Menschen, meist Ägypter, hätten überlebt.

Wieviele Personen waren an Bord?

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sprach davon, dass etwa 450 Menschen an Bord des Bootes gewesen seien. Die ägyptische Nachrichtenagentur Mena berichtete sogar von etwa 600 Personen. Überlebende kamen kurzzeitig in Polizeigewahrsam, wurden dann aber freigelassen.Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht.

Viele der Überlebenden machten Schleuser für das Unglück verantwortlich. Die ägyptischen Behörden nahmen im Zusammenhang mit dem Vorfall gestern vier Personen fest.

Alte und überfüllte Fischerboote

Tausende Flüchtlinge und Migranten haben in den vergangenen Jahren versucht, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, um Kriegen und Armut zu entfliehen. Die Überfahrt, die meist in Libyen startet, ist lebensgefährlich. Tausende Menschen sind dabei ertrunken.

Auch die Überfahrt von Ägypten aus zählte laut UN-Angaben zu den traditionellen Meeresrouten von Flüchtlingen und Migranten nach Europa. Seit 2014 ist die Zahl der Menschen aber stetig angestiegen.

Nach kürzlich veröffentlichten Zahlen der EU-Grenzschutzagentur Frontex kamen zwischen Januar und September 2016 in Italien mehr als 12.000 in Ägypten in See gestochene Migranten an. Im selben Zeitraum 2015 waren es 7000 gewesen. Meistens werden sie Experten zufolge von Schleppern in alten und überfüllten Fischerbooten auf ihre Reise geschickt.

(L'essentiel/fal/sda)

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