«Segelmädchen» auf Kurs – 15-Jährige ein Jahr alleine auf See
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«Segelmädchen» auf Kurs15-Jährige ein Jahr alleine auf See

Stürme, Wellenberge, Einsamkeit, vielleicht gar Piraten - nichts kann Laura Dekker auf den Weltmeeren erschrecken. Die 15-Jährige will als jüngster Mensch solo die Erde umsegeln.

Vor der Südpazifik-Insel Vanuatu kommt ein heftiger Sturm auf. Doch Laura Dekker hält ihre Jacht «Guppy» auf Kurs - «mehr unter als über dem Wasser», wie die 15-jährige Niederländerin in ihrem Web-Blog beichtet. «Guppy schlingerte enorm. Was nicht niet- und nagelfest war, flog durch die Gegend.» Laura wird klitschnass, tagelang schmeckt alles salzig. Halb so schlimm, «wäre nicht mein Päckchen Cornflakes über Bord gegangen».

Am 4. August 2010 war Laura im südniederländischen Brouwershaven in See gestochen, um einige Tage später von Gibraltar aus als jüngster Mensch allein die Erde zu umsegeln. Da war sie noch 14.

Inzwischen ist Laura weit gekommen, hat den Atlantik und das längste Stück des Pazifiks hinter sich gebracht. Alles in allem problemloser, als so mancher befürchtet hat. Vom Osten Australiens aus liegt nun zwar immer noch eine gewaltige Strecke vor ihr. Doch Hollands «Zeilmeisje» (Segelmädchen) kann sich Zeit lassen, kann immer wieder Pausen in spannenden Häfen einlegen.

Laura will ihren eisernen Willen beweisen

Das Mädchen will einen neuen Solo-Rekord aufstellen, als jüngster mensch die Erde zu umsegeln. Doch von einem neuen Alters- oder besser Jugendrekord hört man in letzter Zeit vom «Zeilmeisje» nichts mehr. Es gehe Laura eigentlich weniger um einen Rekord, sagt mittlerweile ihr Vater.

Dick Dekker hatte Lauras Segelprojekt, das nicht wenige in Holland als «Wahnsinnsunternehmen» kritisierten, gegen alle Widerstände verteidigt. Jetzt heißt es, die Tour an sich sei das Ziel. Dass sie überhaupt allein die Welt umsegeln kann, nicht weniger, aber auch nicht mehr, wolle sich Laura beweisen.

Familiendrama im Hintergrund der Geschichte

Mag sein, dass Vater Dekker inzwischen E-Mails und Briefe an die Nieren gehen, in denen er als Rabenvater beschimpft wird, der das Leben seiner Tochter aufs Spiel setzen würde. Vor allem aber: Einen Rekordtitel «Jüngste Solo-Weltumseglerin» will kein internationaler Verband offiziell anerkennen - weder für Laura, noch für andere «Kindersegler».

Zeitweise wurde das Erziehungsrecht ihres Vaters und der von ihm geschiedenen deutschen Mutter Babs Müller eingeschränkt, und Laura unter Aufsicht des Jugendamtes gestellt. Sie reagierte bockig, ja verzweifelt. Über Nacht floh sie in die Karibik, um sich dort ein Boot zu besorgen, wurde erwischt und nach Holland zurückgebracht. Später war in Medienberichten gar von einem Selbstmordversuch die Rede.

Route an Piraten vorbei vorgesehen

«Dieses verklemmte Land hat versucht, mich fertig zu machen», sagte Laura kürzlich dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». «Deshalb werde ich auch nie wieder dorthin zurückkehren.»

Freilich hat sie noch viel Zeit, sich das gründlich durch den Kopf gehen zu lassen. Wenn sie nicht gerade über ihre weitere Route nachdenkt. Vorgesehen und nicht ohne Zeitverlust abänderbar ist eine Strecke durch den Golf von Aden ins Rote Meer. Sie führt vorbei an Somalia, der Heimat des Hungers und der Piraten.

(L'essentiel online/dpa)

Lauras Position und die bisherige Route finden Sie hier

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