Lesbisches Paar – 15 Monate und 11.000 Euro, um Mama zu werden
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Lesbisches Paar15 Monate und 11.000 Euro, um Mama zu werden

LUXEMBURG - Ein lesbisches Paar aus dem Großherzogtum muss lange kämpfen, damit ihr Sohn als gemeinsames Kind anerkannt wird. Das Adoptionsverfahren hat Nerven gekostet – und Geld.

Das Paar ist froh, dass es den Nervenkrieg hinter sich hat.

Das Paar ist froh, dass es den Nervenkrieg hinter sich hat.

Marion Chevrier

Als Anna und Claire im Juli 2013 in Metz heiraten, tun sie das mit dem Ziel, eine Familie zu gründen. «Wir haben alles schön nacheinander erledigt», sagt die 35-jährige Anna aus Luxemburg. Nach einigen Monaten des Wartens wird im Centre Hospitalier de Luxembourg eine künstliche Befruchtung durchgeführt, wozu Sperma von einem anonymen Spender genutzt wird.

Mit Erfolg: Claire, eine heute 30-jährige Französin, wird Ende Dezember 2014 schwanger, am 17. August 2015 erblickt schließlich der kleine «Eden» das Licht der Welt: «Der Anfang einer langen Schlacht», erinnern sich die beiden Frauen.

Denn: Seit dem 1. Januar 2015 können gleichgeschlechtliche Paare heiraten und Kinder adoptieren, sodass die beiden Frauen eine vollständige Adoptionsakte einreichen, damit Anna als Mutter des Kindes ebenso anerkannt wird wie Claire. «Uns wurde gesagt, dass es etwa sechs Monate dauern würde.» Aber: Ihr Fall ist im luxemburgischen Gesetz nicht vorgesehen.

«Es war endlos»

Um Eden rechtlich einwandfrei zu adoptieren, muss Anna offiziell Claires Frau sein. Aber ihre in Frankreich geschlossene Ehe wird im Großherzogtum nicht anerkannt. «Ich galt in meinem Land immer noch als unverheiratet», sagt Anna. Beide Frauen erleben das als Unrecht. «Schon als ich die Geburt des Kindes in der Gemeinde anzeigte, wurde ich als nicht zuständig bezeichnet», sagt Anna. «Ich wurde als ‹unbekannter Deklarator› eingestuft», sagt die Frau, die bereits selbst Drillinge aus einer früheren Beziehung hat.

Unterstützt durch einen entsprechend spezialisierten Anwalt sowie den Premier Xavier Bettel, warten die Frauen auf den Fortschritt im Gesetzgebungsprozess: Von der Einreichung eines Gesetzentwurfs im November 2015 bis zur Realisierung im Mai 2016. «Das war eine endlose, stressige Zeit, die sehr schwer zu verkraften war», sagt Anna. «Ich fühlte mich sehr unsicher, denn ich hatte auf gesetzlicher Ebene keine Beziehung zu Eden – auch nicht, wenn Claire etwas passiert wäre.»

Finanzielle Belastung

Schließlich wird die Gesetzesvorlage in der Abgeordnetenkammer am 23. Mai 2016 angenommen und tritt einige Tage später in Kraft. Das brachte die beiden Frauen endlich weiter: «Nach einem vierzehnten Termin vor Gericht, Ende November 2016, wurde die Adoption endgültig ausgesprochen».

Der ganze Prozess kostete fast 15 Monate Zeit und 11.000 Euro (für Anwälte und die Befruchtung) – eine finanzieller Kraftakt für das Paar, das den Gedanken an ein zweites Kind aufgegeben hat. «Eine Adoption steht nicht allen Paaren gleich offen», finden die beiden und hoffen, dass das Verfahren zukünftig vereinfacht wird. «Unser Kinderwunsch war sehr durchdacht – sicher mehr, als bei einigen Paaren, die keine Schwierigkeiten haben, neues Leben in die Welt zu setzen».

Der kleine Eden ist jetzt offiziell der Sohn von Claire und Anna.

(L’essentiel/Marion Chevrier)

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