12 Monate Luxemburg – 2012, das Jahr der Emotionen
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12 Monate Luxemburg2012, das Jahr der Emotionen

LUXEMBURG - Während die Hochzeit von Guillaume für Glamour sorgte, hatte die Regierung mit einigen Skandalen und Andy Schleck mit Tränen zu kämpfen. Ein Rückblick.

Zehn Jahre dauerte es, bis die Umstände des Absturzes einer Luxair-Maschine bei Niederanven mit 20 Toten vor Gericht aufgearbeitet wurden. Im März 2012 kam dann das Urteil: Der Pilot wurde zu 42 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, der technische Direktor von Luxair und zwei Techniker erhielten ebenfalls Bewährungsstrafen.

2012 war auch das Jahr der Reformen. Die Lyzeumsreform brachte im März 5 000 Lehrer auf die Straße. Erziehungsministerin Mady Delvaux-Stehres bat zum Dialog. Ein neuer Anlauf soll Anfang 2013 genommen werden.

Auch die Rentenreform sorgte für Protest, vor allem bei den Gewerkschaften. Sie wurde Anfang Dezember verabschiedet. Wer künftig eine gleich hohe Rente wie bisher erhalten möchte, muss drei Jahre länger arbeiten. Noch vor Jahresende wurden zudem die Abtreibungsregeln gelockert. Die Debatte darüber spaltete die ADR. Die Abgeordneten Jacques-Yves Henckes und Jean Colombera traten aus, Präsident Fernand Kartheiser entschied sich zum Rückzug von seinem Amt.

Autofahrer ärgern sich über SNCT

Ein besonderes Ärgernis für Autofahrer waren im Herbst die Wartezeiten bei der SNCT. Künftig sollen Fahrzeuge seltener zur Kontrolle und die Öffnungszeiten ausgedehnt werden. Infrastrukturminister Claude Wiseler denkt außerdem über eine Liberalisierung des Marktes nach.
Viel getan hat sich in diesem Jahr auf dem Taximarkt. Die Preise empfinden viele Kunden als überhöht. Jetzt gibt’s Alternativen zum Standard-Taxi, doch sind die Tarife nicht unbedingt übersichtlicher geworden. Die Regierung will das Taxiwesen bald reformieren.

Politische Wogen schlug die Debatte um das nationale Fußballstadion, das in Livingen mitsamt Outlet-Center geplant war. Im Mai erklärte Premierminister Jean-Claude Juncker, dass das Projekt auf Eis gelegt wird. Die Opposition von Déi Gréng und DP warf der Regierung anschließend vor, den Investor Guy Rollinger dazu gedrängt zu haben, von seinem Projekt eines Einkaufszentrums in Wickringen abzusehen und sich stattdessen mit dem Investor Flavio Becca für den Bau in Livingen zusammenzutun. Außerdem soll sich die Regierung bei der BCEE für einen günstigen Kredit für Rollinger eingesetzt haben. Die beschuldigten Minister wiesen die Vorwürfe zurück. Die Staatsanwaltschaft startete eine Voruntersuchung mit dem Ergebnis: Es steht weiterhin Aussage gegen Aussage. Über alldem geraten die Investoren Guy Rollinger und Flavio Becca in Streit. Differdingens Bürgermeister schlägt als Ersatz für Livingen den Ausbau des Stadions in Oberkorn vor, doch letztlich entscheidet sich die Regierung für die Renovierung des Stadions Josy Barthel in der Hauptstadt.

Skandal um Geheimdienst

Doch geht das Jahr nicht mit diesem einzigen Skandal zu Ende. Der Geheimdienst gerät in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit, als bekannt wird, dass der frühere Chef Marco Mille ein Gespräch mit Premierminister Jean-Claude Juncker heimlich aufgezeichnet hat. Spekuliert wird gar über eine Verbindung des großherzoglichen Hofs zum MI6, doch weist Großherzog Henri diese Gerüchte schnell zurück. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss soll nun Licht ins Dunkel bringen.

Unerfreulich für die Regierung dürfte auch das kurze Zwischenspiel der Katarer bei Cargolux gewesen sein. Am 16. November erklärt Qatar Airways, seine Anteile nach nur einem Jahr wieder zu verkaufen. Streit gab’s wohl über die Neuausrichtung der kriselnden Frachtfluggesellschaft. Der luxemburgische Staat kauft die Anteile Mitte Dezember für 117,7 Millionen Dollar zurück. Beginnt erneut die Suche nach einem neuen Investor. Die chinesische Gesellschaft HNA ist interessiert.

Derweil bleiben die Katarer in Luxemburg finanziell involviert. Die BIL, ehemals der Dexia zugehörig, ist seit dem 5. Oktober im Besitz von Precision Capital, eine Gruppe der katarischen Herrscherfamilie Al Thani. Dem Unternehmen gehört auch die KBL.

Die Absatzkrise macht 2012 besonders ArcelorMittal zu schaffen. Während die Lothringer in Florange mit Dauerstreiks um ihre Hochöfen kämpfen, sorgen sich die Gewerkschaften und Wirtschaftsminister Etienne Schneider um die Zukunft des Stahls in Luxemburg. Ein neuer Vertrag zwischen dem Staat und dem Stahlhersteller wird unterschrieben («Lux 2016»), der Investitionen in Höhe von 150 Millionen Euro vorsieht. Premierminister Juncker regt sich jedoch darüber auf, dass der Staat den Vorruhestand von Ex-Stahlmitarbeitern zahlen soll und fordert Gegenleistungen von ArcelorMittal. Im Dezember kündigt das Unternehmen den Kollektivvertrag auf. Die Gewerkschaften sind in Alarmbereitschaft.

Ausgelassen gefeiert wurde in diesem Jahr beim Rock-A-Field. Tausende Fans ließen sich nicht davon abhalten, trotz Regens zu feiern. Aus dem Festival wurde so spontan eine Schlammparty, zu der sich Gossip, Motörhead und Clueso gesellten. Traurig machte jedoch die Nachricht, dass eine der erfolgreichsten Bands Luxemburg künftig getrennte Wege geht: Eternal Tango. Zum Abschluss wurde aber trotzdem nochmal ordentlich im Atelier gerockt. Für Begeisterung, allerdings vor den Fernsehbildschirmen, sorgte James Borges aus Rümelingen, der es bei der Castingshow «The Voice of Germany» bis ins Finale schaffte.

Marie Muller verpasst knapp Bronze

Stolz konnten die Luxemburger in diesem Jahr auf Judoka Marie Muller sein, die bei den Olympischen Spielen in London knapp die Bronzemedaille verpasste. Gemeinsam mit Schwimmer Laurent Carnol wurde sie zum Sportler des Jahres gewählt. Dirk Bockel wurde Zehnter beim Triathlon Ironman auf Hawaii und das trotz einer gebrochenen Hand. Im Fußball begeisterte der F91 Düdelingen in der Champions League, als der Club Red Bull Salzburg besiegte. Aurélien Joachim gelang danach der Sprung in den Profi-Fußball bei Willem II Tilburg in den Niederlanden. Jubel gab’s auch für das Aufeinandertreffen der Roten Löwen gegen die National-Elf Portugals in Luxemburg in der WM-Qualifikation. Ein Sieg wurde es zwar nicht, aber immerhin rangen die Luxemburger den Südländern ein Tor ab. Und wenn sich dann noch Cristiano Ronaldo ins Stadion Josy Barthel verirrt...

Desaströs lief’s 2012 für die Schleck-Brüder. Andy kämpfte monatelang mit Schmerzen nach einem Sturz und musste sowohl Olympia wie auch die Tour de France absagen, als deren Favorit er noch Anfang der Saison galt. Bei Bruder Fränk wurde bei der Tour de France Xipamid im Urin gefunden. Die Substanz ist verboten und wird im Sport dazu genutzt, Dopingmittel zu verschleiern. Das Verfahren gegen ihn läuft, das Urteil wird am 30. Januar verkündet.

Der schönste Tag im Leben von Guilaume

Für schöne Bilder, Glamour und viele Emotionen sorgte im Oktober die Traumhochzeit von Erbgroßherzog Guillaume und seiner Stéphanie. Bei strahlendem Herbstwetter heirateten die beiden in Luxemburg-Stadt. Nach anfänglicher Kritik an den Kosten der Heirat und der Express-Einbürgerung der adeligen Belgierin verzauberte das Prinzenpaar dann aber letztlich doch tausende Luxemburger, die in der Hauptstadt mitfeierten.

(Marion Chevrier/L'essentiel Online)

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