Robocup – «2050 gewinnen Roboter die Fußball-WM»

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Robocup«2050 gewinnen Roboter die Fußball-WM»

Nach der WM ist vor der WM. Im Juli findet in Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft der Roboter statt. In 36 Jahren soll ein Robo-Team den amtierenden Weltmeister entthronen.

Sie lesen sich wie die Namen von Theken-Mannschaften. Allerdings treten die «Nao Devils», «Z-Knipsers» oder «Austrian Kangaroos» nicht nur aus Spaß an der wohl technischsten Fußball-Weltmeisterschaft überhaupt an. Beim Robocup geben sich die weltbesten Roboter-Mannschaften vom 21. bis 24. Juli ein Stelldichein, um das beste computergesteuerte Fußball-Team zu ermitteln.

In fünf verschiedenen Kategorien trampeln sich die Maschinen auf den Blechfüßen herum, treten sich vor die ehernen Schienbeine und kicken um den begehrten Pokal. «Im Foulen sind sie ziemlich gut. Oft stoßen sie zusammen, fallen um und stehen wieder auf. Das Ganze wiederholt sich ständig», kommentiert Professor Phil Culverhouse von der Plymouth University auf der Tech-Site Ars Technica. Noch wüssten die wenigsten Roboter, wo sich das gegnerische Team überhaupt befinde. «Also laufen sie einfach weiter.» Culverhouse ist Mitglied des Betreuerstabs, der die englische Robo-Mannschaft auf WM-Kurs bringen soll.

Wer jetzt allerdings Öl-Grätschen, High-Speed-Spielzüge und Fallrückzieher erwartet, wird vom Tempo und den derzeitigen Fähigkeiten der Robo-Spieler wohl etwas enttäuscht. Die 3,2 Kilogramm schweren und 47,2 Zentimeter großen WM-Helden legen in der Standard-Kategorie nur 20 Zentimeter pro Sekunde zurück. Selbst Culverhouse bezeichnet sie als behäbig. Auch die Kicker der Kategorien Middle Size und Humanoid glänzen nicht gerade durch Schnelligkeit und feinmotorische Finessen. Die kleinen Roboter auf Rädern der Small-Size-Liga würden hingegen unglaublich schnell auf dem Feld hin und her flitzen.

Road to Brazil

Um sich für die Robo-Weltmeisterschaften zu qualifizieren, mussten sich die teilnehmenden Mannschaften an nationalen Ausscheidungsturnieren durchsetzen. Professor Culverhouse' Mannschaft schaffte es zwar an die Spitze der britischen Meisterschaften, der Weltmeisterpokal blieb den Engländern bisher aber verwehrt. Im Vergleich zu Tech-Firmen seien die Herausforderungen für eine Universität größer, meint Culverhouse. Allerdings betont der Professor: «Es macht trotzdem sehr viel Spaß.»

Jeder der auf dem Platz befindlichen Roboter verfügt über eigene Strategien. Wie beim echten Fußball verhält sich ein Stürmer ganz anders als ein Verteidiger oder Torwart. Beim letztjährigen WM-Final in Eindhoven trafen die USA auf Iran – wobei die computergesteuerten Kicker aus dem Mittleren Osten den Sieg davontrugen. Dieses Jahr zählen neben den beiden Finalisten von 2013 auch die deutschen Roboter zu den Favoriten.

In 20 Jahren spielen Roboter auf Fußballer-Level

Letztes Jahr schaffte es die Mannschaft von Culverhouse immerhin, ein Tor zu erzielen. «Das war fantastisch», freut sich der Professor. Die größten Probleme bekundete seine Mannschaft mit der Beschaffenheit des Terrains, der Innenbeleuchtung und dem Ball: «Er sprang zu hoch und war zu laut.» Zumindest in der Analyse tönt der Akademiker schon fast wie ein echter Fußballtrainer.

Den Robocup gibts bereits seit 1997. Ziel der Veranstaltung ist es, «bis 2050 ein Roboter-Fußball-Team zu entwickeln, das den Gewinner der FIFA Weltmeisterschaft schlagen kann». Bis dahin sind wohl noch einige Trainingseinheiten nötig. Culverhouse gibt sich aber zuversichtlich: «Die ersten Partien, in denen Roboter auf dem gleichen Level wie Menschen spielen, dürften in rund 20 Jahren stattfinden.»

(L'essentiel)

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