Großbritannien: Ab 12 Uhr gibt es keine lebenserhaltenden Maßnahmen für Archie mehr – «mein Kind wird hingerichtet»

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GroßbritannienAb 12 Uhr gibt es keine lebenserhaltenden Maßnahmen für Archie mehr – «mein Kind wird hingerichtet»

Im Fall Archie Battersbee wurde am Dienstag juristisch das letzte Wort gesprochen. Am Mittwoch sollen um 12 Uhr die lebenserhaltenden Maßnahmen für den Jungen abgestellt werden.

von
Karin Leuthold
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Im Kampf um das Leben des unheilbar kranken Archie Battersbee sind dessen Eltern am 2. August 2022 auch in der letzten gerichtlichen Instanz gescheitert. 

Im Kampf um das Leben des unheilbar kranken Archie Battersbee sind dessen Eltern am 2. August 2022 auch in der letzten gerichtlichen Instanz gescheitert. 

Screenshot Youtube/Sky News
Archie liegt seit einem Unfall im April 2022 im Koma.

Archie liegt seit einem Unfall im April 2022 im Koma.

Screenshot/Privat
Seine Eltern hatten am 29. Juli einen «letzten Versuch» unternommen und die Vereinten Nationen um Hilfe gebeten. Daraufhin erliess die UNO eine einstweilige Verfügung, um den Abbruch der lebenserhaltenden Massnahmen zu verhindern.

Seine Eltern hatten am 29. Juli einen «letzten Versuch» unternommen und die Vereinten Nationen um Hilfe gebeten. Daraufhin erliess die UNO eine einstweilige Verfügung, um den Abbruch der lebenserhaltenden Massnahmen zu verhindern.

Screenshot/Privat

Es gibt fast keine Hoffnung für Archie Battersbee mehr: Die lebenserhaltenden Maßnahmen für den unheilbar kranken Jungen werden am Mittwoch um 12 Uhr (deutscher Zeit) abgeschaltet. Dies teilte das Krankenhaus Archies Familie am Dienstagabend mit, nachdem die Eltern auch in der letzten gerichtlichen Instanz gescheitert waren. Der Supreme Court in London hatte kurz zuvor einen Antrag abgelehnt, mit dem die Eltern die Fortführung der lebenserhaltenden Maßnahmen für Archie erwirken wollten.

Hollie Dance, Archies Mutter, verurteilte gegenüber britischen Medien die «brutale, skandalöse und beschämende» Entscheidung des Gerichts. Ihr Kind werde regelrecht «hingerichtet», meinte Dance. Gleichzeitig kündigte sie an, «bis zum bitteren Ende zu kämpfen».

«Das ist wirklich das Ende»

Die Leitung des Royal London Hospital gab Familie Battersbee bis Mittwoch 9 Uhr Zeit, um, einen Antrag bei der Europäischen Menschenrechtskonvention einzureichen – andernfalls werde die Frist von 11 Uhr (britischer Zeit) eingehalten.

Die Zeit sei zu knapp, meint die Mutter des Zwölfjährigen. In einer Medienmitteilung schreibt die Familie: «Die Krankenhausverwaltung hat uns mitgeteilt, dass wir Archie nicht in ein Hospiz verlegen können. Wir wollen einen Dringlichkeitsantrag beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte stellen. Aber dieser Antrag muss um 9 Uhr morgens eingereicht werden, was uns und unseren Anwälten keine Zeit lässt, ihn vorzubereiten.»

«Sie verlangen zudem eine Kopie des Antrags, worauf sie kein Recht haben. Wenn dies jedoch nicht geschieht, werden sie die Behandlung um 11 Uhr (britischer Zeit) einstellen. Das ist grausam und wir sind absolut entsetzt», heißt es in der Erklärung weiter. 

Hollie Dance und ihr Ex-Mann Paul Battersbee wollen diese letzte Möglichkeit noch prüfen, sind sich aber bewusst, dass «das wirklich das Ende ist», wie die Mutter selber sagte. Sie habe in den letzten Tagen das Gefühl bekommen, dass das Krankenhaus sich so verhalte, als «müssten sie das sofort erledigen».

Archies Sterben nicht verlängern

Archie hatte sich bei einem häuslichen Unfall im April schwere Hirnverletzungen zugezogen – womöglich bei einer Tiktok-Mutprobe. Der Zwölfjährige liegt seither im Koma. Mehrere britische Gerichte entschieden, dass die Ärzte den Jungen sterben lassen dürfen. Dies sei in seinem besten Interesse, hieß es zur Begründung.

Drei Richter am britischen Supreme Court blockten am Dienstag einen Rettungsversuch der Eltern ab, da es keine Aussicht auf eine wirkliche Genesung gebe. Die lebenserhaltenden Maßnahmen würden nur «das Sterben verlängern». 

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