Flug nach Teheran – Air France verpasst Stewardessen ein Kopftuch

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Flug nach TeheranAir France verpasst Stewardessen ein Kopftuch

Kopftuch-Pflicht bei Air France in Flügen nach Teheran, hippe Schleier von Dolce&Gabbana in den Läden: Frankreich erzürnt sich über die Verbreitung von Kopftüchern.

Erst H&M und Dolce&Gabbana, dann auch noch Air France: In Frankreich werden islamische Kopftücher und Schleier seit kurzem wieder heftig diskutiert. Die Fluggesellschaft Air France musste nachgegeben und hat bei seiner geplanten Kopftuch-Pflicht eine Ausnahme eingeräumt. Ursprünglich sollten Stewardessen bei den Flügen Paris-Teheran Kleiderregeln (lange Hose und weite Jacke) befolgen. Außerhalb des Flugzeuges sollten sie dann ihre Haare mit einem Tuch bedecken, berichtete unter anderem Le Monde.

Am Montag ging Air France aufgrund des öffentlichen Drucks einen Kompromiss ein: Die Kopftuch-Pflicht bleibt, aber das weibliche Bordpersonal darf Flüge in den Iran ohne Benachteiligung ablehnen. Normalerweise dürfen Mitarbeiter von Fluggesellschaften sich die Flugziele nicht aussuchen. Air France will die Flüge nach Teheran nach acht Jahren Unterbrechung am 17. April wieder aufnehmen.

Hippe Kopftücher von Dolce&Gabbana

Zuvor hatten mehrere Flugdienst-Gewerkschaften gegen die Kopftuch-Pflicht protestiert. So hatte das «Syndicat national du personnel navigant commercial» (SNPNC) an die «Freiheit der Frau» erinnert. Kritik kam auch aus der Politik: Der linke Politiker Jean-Luc Mélenchon hatte Stewardessen in der Radiosendung Le Grand Jury dazu aufgerufen, die Kleiderordnung nicht zu befolgen. Im Iran ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen. In Frankreich wiederum sind Ganzkörper- und Gesichtsschleier in der Öffentlichkeit seit 2011 verboten.

Die französischen Gemüter hatten sich zuvor bereits über die Kopftuch-Kollektionen bekannter Modemarken geärgert. Die Feministin Elisabeth Badinter hatte laut der Zeitung Le Figaro zum Boykott von H&M und Dolce&Gabbana aufgefordert. Das italienische Luxuslabel hatte eben erst seine neue islamische Kollektion präsentiert, die schwedische Modekette hatte jüngst mit einem Model mit Kopftuch für Aufsehen gesorgt.

Großer Markt

Kritik kam vergangene Woche auch von der französischen Gleichstellungsministerin Laurence Rossignol. Es sei «unverantwortlich», dass große westliche Modemarken islamische Mode verbreiten und damit «auf eine gewisse Weise das Einsperren des weiblichen Körpers bewerben», schrieb Le Figaro in der Samstagsausgabe weiter.

Die Labels haben an den in der westlichen Welt umstrittenen Kreationen ein finanzielles Interesse: Der Umsatz für islamische Mode betrug im Jahr 2013 laut Le Figaro 234 Milliarden Euro, für 2019 werde mit fast dem Doppelten, mit 426 Milliarden Euro, gerechnet.

(sop/L'essentiel)

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