SREL-Affäre – Akten aus Senningen beschlagnahmt
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SREL-AffäreAkten aus Senningen beschlagnahmt

LUXEMBURG - Nicht nur der U-Ausschusses SREL wollten sich am Montag im zweiten SREL-Archiv umsehen. Auch die Justiz ist im Rahmen der Bommeleeër-Affäre vor Ort.

Viel Besuch hatte das zweite Archiv des Geheimdienstes im Senninger Schloss am Montag. Nicht nur die Mitglieder des SREL-Untersuchungsausschusses wollten sich vor Ort ein Bild der Örtlichkeit mache, die der Öffentlichkeit jahrelang verschwiegen worden war.

Auch Mitarbeiter der Justiz sind vor Ort. Sie beschlagnahmen auf Anordnung der Kriminalkammer des Gerichts die Akten aus dem erst am Freitag bekannt gewordenen zweiten Archiv des SREL, wie der Justizsprecher gegenüber «L’essentiel Online» bestätigte.

Neue Wendung im Bommeleeër-Prozess?

Alle stellen sich dieselbe große Frage: «Handelt es sich um eine Art 'Back up' mit Kopien von Daten aus dem bekannten SREL-Archiv an der Route d’Esch oder finden wir auch unbekannte Elemente?», erklärte ein Ausschussmitglied auf Anfrage von «L’essentiel Online». Diese Frage dürfte auch die Ermittler interessieren. Denn sollten Letztere dort Dokumente über Aktivitäten des «Stay Behind»-Netzwerkes finden, die seit den 1980ern aus dem offiziellen Archiv des SREL verschwunden sein könnten, so würde dies dem Bommeleeër-Prozess eine völlig neue Wendung verpassen. Diese Prozedur kann sich allerdings über Monate hinziehen.

Ob die Abgeordneten des Untersuchungsausschusses neue Entdeckungen vor Ort machen konnten, ist am Montagnachmittag nicht zu erfahren.

Dass der SREL über ein zweites Archiv auf Schloss Senningen verfügt, war erst am vergangenen Freitag bekannt geworden. Das Staatsministerium hatte daraufhin bereits eine Versiegelung der Örtlichkeit angeordnet.

(sb/jmh/L'essentiel Online)

Versuch der Einflussnahme durch Luc Frieden?

Radio 100,7 meldete am Montag, dass der damalige Justizminister Luc Frieden zwischen 2002 und 2007 mehrmals versucht habe, seinen Einfluß hinsichtlich einer Einstellung des Ermittlungsverfahrens in der so genannten «Bommeleeër-Affäre» geltend zu machen. Nach der Anklageerhebung gegen die beiden Verdächtigen Scheer und Wilmes sei Frieden «irritiert» gewesen. Auch seien die Beziehungen zwischen Staatsanwalt Robert Biever und Luc Frieden angespannt gewesen. Frieden dementierte diese Darstellung am Nachmittag gegenüber Radio RTL entschieden. Er habe wohl regelmäßig Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft in der Affäre gehalten, aber nie den Versuch unternommen, Einfluss auf die Untersuchung zu nehmen. Frieden vermutet hinter den Anschuldigungen den Versuch, ihm «politisch zu schaden».

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