Berlin Fashion Week: Aktivisten blamieren Adidas mit Fake-Modenschau

Publiziert

Berlin Fashion WeekAktivisten blamieren Adidas mit Fake-Modenschau

Im Rahmen der Berlin Fashion Week waren für Montagabend die Präsentation eines Rebrandings sowie die Ernennung einer Co-CEO angekündigt. Doch die Modemarke hatte diese Absicht gar nicht. 

von
Justin Arber
1 / 6
So präsentierten sich die Models an der inszenierten Launch-Veranstaltung an der Berlin Fashion Week.

So präsentierten sich die Models an der inszenierten Launch-Veranstaltung an der Berlin Fashion Week.

Axl Jansen
Die Kleidungsstücke aus der Kollektion «Reality Wear» sei von Musiker Pharrell Williams kuratiert worden und bestehe aus «sorgfältig gealterten» Kleidungsstücken, die sechs Monate lang ununterbrochen von kambodschanischen Arbeitern getragen worden seien. 

Die Kleidungsstücke aus der Kollektion «Reality Wear» sei von Musiker Pharrell Williams kuratiert worden und bestehe aus «sorgfältig gealterten» Kleidungsstücken, die sechs Monate lang ununterbrochen von kambodschanischen Arbeitern getragen worden seien. 

Twitter
Vay Ya Nak Phoan wurde als «Co-CEO» präsentiert. Sie war angeblich eine ehemalige Bekleidungsarbeiterin und Gewerkschaftsführerin aus Kambodscha. 

Vay Ya Nak Phoan wurde als «Co-CEO» präsentiert. Sie war angeblich eine ehemalige Bekleidungsarbeiterin und Gewerkschaftsführerin aus Kambodscha. 

Twitter

Angefangen hatte alles mit einer Ankündigung und einer am Montag versendeten Pressemitteilung von der Domain Adidas-group.com.de. Erhalten haben sie laut dem «Guardian» verschiedene Mode-Blogger. Darin kündigte die Modemarke Adidas einen «revolutionären Plan» an. Einerseits solle Vay Ya Nak Phoan, angeblich eine ehemalige Bekleidungsarbeiterin und Gewerkschaftsführerin aus Kambodscha, zur Co-CEO ernannt werden.

Außerdem solle die neue Ausrichtung des Unternehmens durch die neuartige «Reality Wear»-Reihe unterstrichen werden. Kuratiert worden sei diese von Musiker Pharrell Williams und sie bestehe aus «sorgfältig gealterten» Kleidungsstücken, die sechs Monate lang ununterbrochen von kambodschanischen Arbeitern getragen worden seien. Hintergrund der Aktion ist nach Angaben der «Kampagne für Saubere Kleidung» der Vorwurf, Adidas achte nicht auf die Rechte der Beschäftigten von Zulieferern.

«Zeigt eine alternative Zukunft der Unternehmensführung»

Das Interesse an der Präsentation von Adidas an der aktuell stattfindenden Berliner Fashion Week war dementsprechend groß und zahlreiche Leute aus der Modebranche versammelten sich. Bei der gefälschten Launch-Veranstaltung stolperten dann plötzlich verletzte und blutige Models über den Laufsteg. «Das Publikum schien die Kollektion als echt zu akzeptieren», schreibt der «Guardian» dazu.

Der echte Adidas-Konzern habe jedoch inzwischen bestritten, dass das Unternehmen hinter dem Launch stecke. Die Pressemitteilung wurde bis zu diesem Zeitpunkt von verschiedenen Webseiten für Modenachrichten sowie Bloggern verbreitet. Die britische Zeitung zitiert eine Meldung, wonach ein Nachrichtenanbieter die neue Kollektion als den Versuch von Adidas bezeichnete, «Wiedergutmachung zu leisten», nachdem es gezwungen war, seine Zusammenarbeit mit Rapper Kanye West wegen seiner antisemitischen Kommentare zu beenden. 

«Leid der Arbeiterinnen und Arbeiter ist real»

Geplant und durchgeführt wurde die aufwendige Aktion von Aktivistinnen und Aktivisten von «The Yes Men» sowie der «Kampagne für Saubere Kleidung». Der anschauliche Schwindel von «The Yes Men» zeige eine alternative Zukunft der Unternehmensführung, die dem Schutz von Rechten Priorität einräume. Gleichzeitig prangere er die Heuchelei von Adidas an, einer Marke, die sich selbst als Investor in die Stärkung der Rolle der Frau darstelle, während die Marke mit der anhaltenden Ausbeutung von Bekleidungsarbeiterinnen und -arbeitern – überwiegend in Produktionsländern ohne angemessene soziale Sicherungssysteme – Milliardengewinne erziele. Die Aktion verdeutliche die Macht, die Adidas über die Bedingungen in seiner Beschaffungskette habe, schreibt «Saubere Kleidung» in ihrer Medienmitteilung. 

«Die Nachricht über ihr neues Programm ist gefälscht, aber das Leiden der Adidas-Arbeiterinnen und -Arbeiter ist unbestreitbar real», argumentiert Mike Bonanno von «The Yes Men». «Adidas kann das Problem beheben, indem es die entsprechende Vereinbarung unterschreibt und seinen Arbeiterinnen und Arbeitern zahlt, was ihnen zusteht.» Die «Kampagne für Saubere Kleidung» fordert den CEO deshalb auf, die dringend notwendigen Schritte zu unternehmen und das «Pay Your Workers»-Abkommen zu unterschreiben. Claudia Lange, Vizepräsidentin für externe Kommunikation von Adidas, schrieb in einer E-Mail an die Nachrichtenseite CNBC: «Wir kommentieren diese gefälschten E-Mails bzw. Veröffentlichungen nicht.» 

Deine Meinung

0 Kommentare