Ägypten – Al-Beblawi ist neuer Ministerpräsident

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ÄgyptenAl-Beblawi ist neuer Ministerpräsident

Die Übergangsregierung hat sich auf einen neuen Ministerpräsidenten geeinigt: Hasem al-Beblawi. El Baradei wird Vize.

Die Absetzung von Präsident Mursi zog eine Welle der Gewalt nach sich. Noch jetzt ist die Situation sehr instabil. (Bild: Keystone/AP)

Die Absetzung von Präsident Mursi zog eine Welle der Gewalt nach sich. Noch jetzt ist die Situation sehr instabil. (Bild: Keystone/AP)

Nach tagelangem Ringen steht die neue Führung der Übergangsregierung in Ägypten.

Interimspräsident Adli Mansur ernannte am Dienstag den Sozialdemokraten Hasem al-Beblawi zum neuen ägyptischen Ministerpräsidenten. Der Führer der liberalen Nationalen Heilsfront, Mohammed ElBaradei, übernimmt den Posten des Vizepräsidenten, wie ein Sprecher Mansurs mitteilte.

Einen Tag nach Bekanntgabe des Fahrplans

Al-Beblawi, ein bekannter Wirtschaftswissenschaftler, fungierte in einem der ersten Kabinette nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Hosni Mubarak als Finanzminister. Er trat im Oktober 2011 nach einem blutigen Polizei-und Militäreinsatz mit 26 mehrheitlich christlichen Toten zurück. Er ist einer der Gründer der Ägyptischen Sozialdemokratischen Partei, eine von mehreren säkularen Gruppen, die sich in der Nationalen Heilsfront zusammengeschlossen haben.

Die Besetzung der Top-Posten der Übergangsregierung kam nur einen Tag nachdem Mansur einen Fahrplan für Parlaments- und Präsidentschaftswahlen Anfang kommenden Jahres vorgestellt hatte. Eine Ernennung von El Baradei selbst sowie von Kompromisskandidaten aus dem säkularen Lager war am Widerstand der ultrakonservativen Salafisten gescheitert, die mittlerweile den mit der Armee verbündeten politischen Kräften im Land den Rücken gekehrt haben.

(L'essentiel Online/sda)

Hazem al-Beblawi - Wirtschaftsexperte für den Übergang

Der 1936 geborene Hazem al-Beblawi ist studierter Jurist und Ökonom. Als Funktionsträger in ägyptischen und überregionalen Entwicklungsbanken und -organisationen verfügt er über erhebliche internationale Erfahrung.

Al-Beblawi studierte Rechtswissenschaften in Kairo und Wirtschaftswissenschaften in Paris und Grenoble. Von 1983 bis 1995 war er Generaldirektor der Ägyptischen Exportentwicklungsbank, von 1995 bis 2000 Exekutivsekretär der UN-Wirtschaftskommission für Westasien (ESCWA) und von 2001 bis 2011 Berater des Arabischen Währungsfonds in Abu Dhabi.

Nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Husni Mubarak im Februar 2011 gründete Al-Beblawi in seiner Heimat gemeinsam mit Gleichgesinnten die Ägyptische Sozialdemokratische Partei. Die post-revolutionäre Dynamik bescherte dem Experten bald ein Regierungsamt.

Im Juli 2011 wurde er Finanzminister und stellvertretender Ministerpräsident für Wirtschaft. Im Oktober 2011 wollte er aus Protest gegen die gewaltsame Niederschlagung von Demonstrationen der christlichen Kopten zurücktreten - der damals herrschende Militärrat nahm die Demission nicht an. Schließlich verließ er im November 2011 das Kabinett. Über seine ersten Erfahrungen im Getriebe der Regierungspolitik veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel «Vier Monate im Regierungskäfig». (dpa)

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