«Das Jenke-Experiment» – «Alkohol schmeckt mir nun weniger»
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«Das Jenke-Experiment»«Alkohol schmeckt mir nun weniger»

Er hat vier Wochen lang ununterbrochen Alkohol getrunken: Jenke von Wilmsdorff. Der deutsche Reporter über die Lust zu trinken, die Reaktion seiner Familie und das Aufhören.

RTL

Herr von Wilmsdorff, hatten Sie keine Bedenken beim Experiment?
Jenke von Wilmsdorff:
Natürlich hatte ich Bedenken. Ich habe aber erst nach gründlicher Klärung des Sachverhalts eingewilligt. Sprich: Es durften keine bleibenden Schäden entstehen.

Was war die größte Herausforderung?
Am Anfang musste ich mich regelrecht dazu zwingen, bereits morgens Alkohol zu trinken. Stellen Sie sich vor: Sie schlafen mit einem Rausch ein, wachen mit einem Brummschädel auf und sollen direkt weitertrinken. Das ist gar nicht so einfach.

Hand aufs Herz: Gab es Momente, in denen Ihnen das Experiment gefiel?
Nur in einem einzigen Moment: Am Vorabend bevor das Experiment begann. Da war ich aufgeregt und neugierig. Während dem Versuch habe ich es keinen einzigen Moment genossen. Im Gegenteil.

Wie sind Ihre Liebsten mit dem betrunkenen Jenke umgegangen?
Natürlich waren alle im Vorfeld informiert. Trotzdem war es für meine Familie und Freunde nicht einfach, einen Jenke mit Stimmungsschwankungen zu ertragen. Ich habe mich in diesem Monat ziemlich verändert, sowohl körperlich, als auch psychisch.

Inwiefern?
Ich entwickelte Lustlosigkeit, Ungeduld und Lethargie. Ich konnte in der Nacht nicht schlafen und lief stets mit einem geschwollenen Gesicht herum. Das war mir ziemlich unangenehm.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als die Thrombose diagnostiziert wurde?
Ich hatte einen großen Schrecken, wurde von den Ärzten aber wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt. Die allererste Frage des Arztes war, ob ich regelmäßig Alkohol trinke. Thrombosen sind der Klassiker bei übermäßigem Alkoholkonsum. Nach Karneval sei dafür Hochsaison, verriet mir der Arzt. Mittlerweile bin ich aber wieder wohlauf; ohne bleibende Schäden.

Was hat das Experiment gebracht?
Das Problem Alkoholismus wird oft verharmlost. Ich hoffe, dass das Experiment einigen Menschen die Augen geöffnet hat und eine Art Initialzündung war, sich überhaupt mit dem Thema auseinanderzusetzen. Alleine in Deutschland soll es 50 Millionen Menschen geben, die direkt oder indirekt von Alkoholismus betroffen sind. Und wenn es auch nur ein Jugendlicher war, der nun weniger Alkohol konsumiert, hat sich das Experiment bereits gelohnt.

Waren Sie am Ende des Versuchs Alkoholiker?
Nein. Es war zwar eine Gewöhnung entstanden – die zweifelsohne bereits schlimm genug ist – aber ich war definitiv nicht abhängig. Ich würde sagen, es war eine Vorstufe des Alkoholismus.

Waren Sie seit dem Experiment wieder einmal betrunken?
Nein. Als wir am Abend der Ausstrahlung ein wenig mit Sekt feiern wollten, brachte ich nicht ein Glas runter. Der Alkohol schmeckt mir mittlerweile weniger als vor dem Experiment.

(L'essentiel Online/Alpcan Özkul)

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