Kriminalität explodiert – Alle zwei Stunden wird in Luxemburg eingebrochen

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Kriminalität explodiertAlle zwei Stunden wird in Luxemburg eingebrochen

LUXEMBURG - Die Polizei bekommt die Zahl der Einbrüche im Großherzogtum nicht in den Griff. Eine neue Schwerpunktaktion soll nun Abhilfe schaffen.

Die Polizei will künftig verstärkt in Wohngebieten unterwegs sein und Personenkontrollen im Kampf gegen die Einbruchskriminalität durchführen.

Die Polizei will künftig verstärkt in Wohngebieten unterwegs sein und Personenkontrollen im Kampf gegen die Einbruchskriminalität durchführen.

L'essentiel

Luxemburg wird für Einbrecher immer attraktiver. Das hat die Polizei nun schwarz auf weiß bestätigt: In den ersten drei Trimestern des Jahres gab es 3.010 Einbruchsdelikte - das ist ein Anstieg um knapp 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Somit wird in Luxemburg im Schnitt alle zwei Stunden eingebrochen. Bei 41 Prozent der angezeigten Delikte handelte es sich um Einbruchsversuche.

Um Allerheiligen sind die Zahlen noch einmal noch oben geschnellt: Am 2. November hielt man nun bei 3446 Delikten. Allein seit vergangenen Freitag haben Kriminelle in 50 Häusern oder Geschäften in Luxemburg zugeschlagen.

Schneider verordnet neue Schwerpunktaktion

Die Behörden sind wegen der «außergewöhnlich hohen» Zahlen alarmiert und wollen nun den Kampf gegen Einbrecher verstärken. Auf Anordnung des Ministers für Innere Sicherheit, Etienne Schneider, «wird die Bekämpfung der ansteigenden Einbruchskriminalität ab sofort zur Priorität». Eine von der Generaldirektion der Polizei verabschiedete Schwerpunktaktion sieht verstärkte Kontrollen und Präsenz im öffentlichen Raum, Präventionsarbeit und den Aufruf an die Bevölkerung zur Mithilfe vor. Landesweit sollen Verkehrs- und Personenkontrollen, u.a. entlang der Hauptverkehrsadern durchgeführt werden. Auch in den Wohngebieten wird die Polizei künftig stärker auf Streife unterwegs sein.

Geringe Aufklärungsquote

Bei der Aufklärung hinken die Ermittler deutlich hinterher: Dieses Jahr wurden in Luxemburg lediglich 5,7 Prozent der Fälle aufgeklärt. Zum Vergleich: In Rheinland-Pfalz lag die Quote 2013 bei 17 Prozent. Trotzdem verweisen die Behörden auf «Ermittlungserfolge». Für das laufende Jahr konnten 195 Fälle aufgeklärt werden, 236 Täter wurden ermittelt. «Dabei handelt es sich oftmals um Mehrfachtäter, die auch für andere Delikte (Raub, Diebstahl, Betrug,) in Frage kommen», so die Polizei.

Der neue Aktionsplan gegen Einbrecher soll den Tätern verdeutlichen, «dass ihr Vorhaben nur unter schwierigen Bedingungen durchgeführt werden kann, in der Regel sind sie nur an schwach gesicherten Objekten interessiert», schreibt die Polizei.

Im Fokus der Einbrecher stehen vor allem Einfamilienhäuser und private Wohnungen, aber auch Garagen, Restaurants, Kellerräume, Schulen, Baustellen oder Firmengebäude. In der Regel dauern die Einbrüche nicht länger als zehn Minuten. Meist haben es die Täter auf Geld, Schmuck, Laptops und Handys abgesehen.

Seltsame Vorgänge sofort melden

Die Behörden empfehlen der Bevölkerung, ein wachsames Auge darauf zu haben, ob in ihrer Wohngegend seltsame Dinge vor sich gehen. Als Beispiele nennt die Polizei «das scheinbar planloses Abfahren der Wohngegend oder Beobachten eines Hauses, Anlegen von Verstecken und das Abstellen von fremden, auffälligen Fahrzeugen». Entsprechende Feststellungen sollten sofort der Polizei über den Notruf 113 gemeldet werden, damit diese noch vor Ort einschreiten kann.

Einbrecher treiben übrigens in der gesamten Großregion ihr Unwesen. Belgien, Deutschland und Frankreich kämpfen mit ähnlichen Problemen wie das Großherzogtum. Die zahlen für Luxemburg sind jedoch alarmierend: In den vergangenen fünf Jahren wurden zehn Prozent aller luxemburgischen Haushalte Opfer eines Raubs. Zum Vergleich: In der Region Trier liegt die Quote der Wohnungseinbrüche bei 1,3 Prozent, in ganz Rheinland-Pfalz bei zwei Prozent.

Weitere Informationen über wirksame Schutzmaßnahmen gegen Einbrecher können sich besorgte Bürger noch bis Samstagabend bei der Präventionswoche der Polizei Kapellen im Einkaufszentrum Belle-Etoile in Bartringen holen. Eine permanente Anlaufstelle für diese Fragen ist der nationale Präventionsdienst der Polizei (Tel. +352 4997 2333)

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

Was sagen die Versicherer?

Der Verband der luxemburgischen Versicherungsunternehmen (ACA) bestätigt die steigenden Einbruchszahlen. Allein zwischen 2012 und 2013 sei ein Anstieg von 3,8 Prozent zu verzeichnen gewesen. Für 2014 liegen der ACA noch keine Zahlen vor. Im Jahr 2013 landeten bei den Versicherern 1600 Einbruchsfälle auf dem Tisch. «Nicht alle Häuser in Luxemburg sind gegen Einbruch versichert», erklärt Marc Hengen, «Administrateur-Délégué» bei der ACA, die Unterschiede zur offiziellen Polizeistatistik. Für die Polizei fällt auch das Eindringen in Wohneigentum als Einbruchsdelikt, während das die Versicherungen nicht zwingend so beurteilen. (Joseph Gaulier)

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