Wikileaks – Alpha-Rüde Putin und Teflon-Merkel

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WikileaksAlpha-Rüde Putin und Teflon-Merkel

Der neueste Wikileaks-Coup ist eine Katastrophe für die USA: Er enthüllt schonungslos, wie die Amerikaner den Rest der Welt sehen.

Mit Nervosität haben Regierungen weltweit gestern die Veröffentlichung vertraulicher US-Dokumente durch die Website Wikileaks erwartet. Es sind 250 000 Dokumente aus US-Botschaften in aller Welt. Bei einem Großteil dieser Dokumente handelt es sich nach Angaben des US-Außenministeriums um Meldungen der diplomatischen US-Vertretungen an ihre Zentrale in Washington. In den Depeschen geht es unter anderem um persönliche Einschätzungen der Diplomaten zu Politikern ihres Gastlands, vertrauliche Absprachen und geheime Informationen. Bis zuletzt unterrichtete das US-Außenministerium verbündete Staaten über möglicherweise brisante Berichte aus US-Botschaften.

So wird der afghanische Präsident Hamid Karsai als «schwache Persönlichkeit» beschrieben, der von «Paranoia» und «Verschwörungsvorstellungen» getrieben werde. Aus dem US-Außenministerium seien Informationen angefordert worden, ob Italiens Regierungschef ­Silvio Berlusconi tatsächlich Privatgeschäfte mit Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin getätigt habe. Putin werde dabei als «Alpha-Rüde» bezeichnet, Präsident Dmitri Medwedew als «blass» und «zögerlich». Während Angela Merkel in den Berichten als «Teflon-Merkel» beschrieben wird, die nie verbindlich ist, bekommt vor allem Außenminister Guido Westerwelle sein Fett weg: Er wird von den Amerikanern als inkompetent, eitel und amerikakritisch beurteilt.

Aufruf zur Bombardierung Irans

Ein Schlaglicht wird in den Dokumenten auch auf schwierige politische Prozesse, etwa im Iran geworfen. So hätten Israel genauso wie arabische Verbündete die USA zu einem Militärschlag gegen Teheran gedrängt.

Der saudische König Abdullah habe verlangt, «der Schlange den Kopf abzuschlagen». Staaten wie Bahrain und Ägypten hätten ähnliche Einschätzungen vertreten, enthüllte der «Guardian». Nach Darstellung der britischen Zeitung haben die USA sogar versucht, die Führung der Vereinten Nationen auszuspionieren.

Gaddafi nur mit vollbusiger Krankenschwester unterwegs

Auch viele spannende Anekdoten sind in den Dokumenten zu finden: Zornentbrannt sei der Stabschef der Revolutionswächter, Mohammed Ali Dschaafari, auf Präsident Mahmud Ahmadinedschad losgegangen und habe ihn ins Gesicht geschlagen, weil sich der sonst so konservative Staatschef überraschend für mehr Pressefreiheit eingesetzt habe.

Über den libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi heiße es da, er reise praktisch nicht mehr ohne die Begleitung einer vollbusigen ukrainischen Krankenschwester.

Berlusconi amüsiert

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat sich über die enthüllten Berichte offenbar bestens amüsiert. Er habe «gut gelacht», als er vom Inhalt der Depeschen erfahren habe, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Sonntag unter Berufung auf Vertraute Berlusconis. Die britische Zeitung «Guardian» berichtete, dass US-Diplomaten Berlusconi als «inkompetent, aufgeblasen und ineffektiv» beschrieben. In einem weiteren Dokument sei der italienische Regierungschef als «physisch und politisch schwach» dargestellt worden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf die Enthüllungsplattform weiter. Seine «Vorliebe für Partys» halte Berlusconi davon ab, genügend Erholung zu bekommen.

Die oppositionelle Demokratische Partei in Italien kritisierte, die Enthüllungen demonstrierten das Ausmaß, in dem das Bild des Landes in der Welt durch Berlusconi in Misskredit gebracht worden sei.

Laut «Spiegel» stammen 90 Prozent der Dokumente aus der Zeit seit 2005. Nur 6 Prozent würden als «geheim» eingestuft, 40 Prozent als «vertraulich».

(20min.ch/sda)

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