Charly Gaul – Als der Stern des «Engels der Berge» hell erstrahlte
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Charly GaulAls der Stern des «Engels der Berge» hell erstrahlte

LUXEMBURG - Bei der Tour 1955 wurde der Luxemburger Charly Gaul zur Legende. Am 14. Juli gewann er seine erste Etappe - und wurde Dritter in der Gesamtwertung.

Charly Gaul of Luxembourg crosses the finish line on July 25, 1955 in Toulouse and wins the 17th stage, Toulouse-Saint-Gaudens, of the Tour de France 1955.

Charly Gaul of Luxembourg crosses the finish line on July 25, 1955 in Toulouse and wins the 17th stage, Toulouse-Saint-Gaudens, of the Tour de France 1955.

AFP

Es war das Jahr 1955, als Charly Gaul zum ersten Mal ins Scheinwerferlicht der Radsportbühne trat. Bereits die beiden Jahre zuvor fuhr er beim wichtigsten Radrennen der Welt mit, schied jedoch jeweils schnell aus. Aber bei seinem dritten Anlauf zeigte der Luxemburger allen, was er drauf hat. Mit 22 Jahren bereitete er sogar dem damals unantastbaren Louison Bobet Sorgen.

Als krasser Außenseiter ging Gaul in die Rundfahrt. Doch der gebürtige Pfaffenthaler überraschte alle - wohl auch sich selbst. Schließlich landete er auf Rang drei in der Gesamtwertung. Dabei beeindruckte er vor allem mit seiner Leichtigkeit, die er in den Bergen an den Tag legte. Und so verdiente er sich auch seinen Spitznamen: «Der Engel der Berge».

Unnachahmlicher Sololauf

Insbesondere die bergige 8. Etappe bleibt in Erinnerung. Nach dem Start in Thonon-les-Bains attackierte er sofort. Seine Gegner waren machtlos gegen den unnachahmlichen Antritt von Gaul - und das ausgerechnet am 14. Juli, dem Nationalfeiertag in Frankreich. Nachdem er alleine den Col du Galibier überquert hatte, kam er als Erster im Ziel in Briançon an. Der zweimalige Titelträger Louison Bobet fuhr erst 15:50 Minuten später über die Ziellinie. Plötzlich hatte der Luxemburger alle das Fürchten gelehrt.

Schließlich konnte Gaul seine Führung aber nicht ins Ziel retten. Zu unerfahren war er damals noch. Doch auch so ging er mit seinen 22 Lenzen in die Geschichtsbücher ein. Mit dem dritten Platz, zwei Etappensiegen und dem Trikot des besten Bergfahrers kehrte er ins Großherzogtum zurück. Sein Stern war aufgegangen - und strahlte für die kommenden Jahre hell über dem Radsporthimmel.

(Joseph Gaulier/L'essentiel)

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