Prostitution: Als Escort-Girl will Luxemburgerin Evelyna Klischees brechen

Publiziert

ProstitutionAls Escort-Girl will Luxemburgerin Evelyna Klischees brechen

Esch/Alzette – Die 24-jährige Escort-Dame Evelyna spricht mit uns offen über ihren Beruf. Sie will das Image der Prostitution ändern.

von
Yannis Bouaraba

Vincent Lescaut/L'essentiel

Im Stadtzentrum von Esch/Alzette bleibt Evelyna nicht unbemerkt. Nicht nur wegen ihres auffälligen Äußeren, sondern auch, weil die lächelnde Blondine hier zu Hause ist. Sie sitzt auf der Terrasse einer Bar, viele der Vorbeigehenden grüßen sie oder wechseln ein paar nette Worte mit ihr.

Doch nicht alle Blicke ihr gegenüber sind wohlwollend. Die Luxemburgerin, in Deutschland geboren, hat sich schon früh für den Weg als Prostituierte entschieden und keine Angst, sich offen zu präsentieren. Im Gegenteil, sie fordert ihre Freiheit, ihren Feminismus und ihre Unabhängigkeit ein und will die Klischees einer Tätigkeit durchbrechen, von der sie weiß, dass sie verpönt ist.

Vincent Lescaut/L'essentiel

«Viele Mädchen können sich nicht zeigen»

«Ich habe mir alles selbst beigebracht, und zwar von Anfang an», erzählt die 24-Jährige. Schon als Teenager beginnt sie, sich über Sex und die Sexindustrie zu informieren. Nachdem sie die Schule abgebrochen hat, steigt sie in der Gemeinde Schifflingen ins Berufsleben ein. Drei Jahre verbringt sie damit, doch es erfüllt sie nicht. «Ich war deprimiert. Heute mache ich das, was mir gefällt, und bin glücklich», sagt sie.

Nach ersten Anfängen in Deutschland arbeitet sie seit zwei Jahren endgültig als Prostituierte. «Viele Mädchen können sich nicht zeigen, weil sie sich schämen. Sie haben eine Familie, einen Job und manchmal einen Ehemann», erklärt sie. Evelyna selbst ist seit zwei Jahren Single und sagt, keine Kinder zu wollen.

Vincent Lescaut/L'essentiel

«Ich bin eine Frau wie jede andere auch»

«Natürlich muss man Sex mögen, aber das ist nicht alles. Ich lerne gerne neue Leute kennen, Männer und Frauen. Ich mag Abenteuer. Monogamie ist für mich eine Illusion», erläutert sie. Hinter der auffälligen Fassade verbirgt sich eine sympathische, junge Luxemburgerin, die in ihrer Freizeit gerne im Schwarzwald neue Energie tankt und Sonntags in die Kirche geht.

«Ich möchte das Image des Berufs ändern», sagt die 24-Jährige. Sie sei sich bewusst, dass dieser Prozess einige Zeit dauere. «Sie hat das Herz auf dem rechten Fleck. Sie bringt mir oft etwas zu essen und zu trinken», erzählt eine Frau, die in Esch/Alzette regelmäßig bettelt. Evelyna fordert vor allem Respekt. «Ich bin eine Frau wie jede andere. Ich möchte so akzeptiert werden, wie ich bin. Meine Familie und meine Freunde akzeptieren mich, sie freuen sich für mich».

Vincent Lescaut/L'essentiel

Anwälte, Ärzte, Banker

Zu ihren Kunden gehören häufig wohlhabende Menschen. «Bekannte Leute mit hoher Verantwortung» – mehr will sie jedoch nicht verraten. Evelyna lebt alleine in einem Haus und hat einen sehr komfortablen Lebensstil, wie sie sagt. Über ihre genaue finanzielle Situation hält sie sich lieber bedeckt. Ihre Kunden suchst sie sich selbst aus. Es sind Anwälte, Ärzte und Banker. Von ihnen verlangt sie vor allem eins: Respekt und ein hohes intellektuelles Niveau. Auch die Sprache und das Alter spielen für sie eine wichtige Rolle. «Sie müssen mindestens 40 Jahre alt sein und Luxemburgisch oder Deutsch sprechen», sagt sie.

Gäste empfängt Evelyna nicht, sie besucht ihre Kunden. Hauptsächlich in Hotels, aber auch zu Hause, was ihr schon einige peinliche Situationen beschert hat. «Einmal folgte uns die Frau eines Kunden. Sie hat an die Scheibe des Autos geklopft. Ein anderes Mal kam die Mutter eines Klienten herein und überraschte uns ...», sind zwei ihrer Anekdoten. Seit einiger Zeit übernimmt eine ihrer vertrauten Freundinnen die Rolle der «Managerin» und arrangiert Termine und Castings. Evelynas selbstgestecktes Ziel ist, in absehbarer Zeit einen Platz in der internationalen Pornoindustrie zu bekommen.

Vincent Lescaut/L'essentiel

Wie ist die rechtliche Lage in Luxemburg?

In Luxemburg ist Prostitution weder explizit erlaubt noch verboten. Prostituierte anzuwerben ist verboten und Bordelle sind seit 1970 geschlossen. Um gegen ausbeutende Prostitution, Zuhälterei und Menschenhandel zu sexuellen Zwecken, vorzugehen, gibt es das Gesetz vom 28. Februar 2018, das diese verbietet.

Der Freier wird strafrechtlich verfolgt, wenn er eine bezahlte sexuelle Beziehung mit einer minderjährigen Person, einer besonders schutzbedürftigen Person oder einem Opfer sexueller Ausbeutung, der Zuhälterei oder des Menschenhandels eingeht. Die Zahl der Sexarbeiter/innen in Luxemburg wird auf 1500 bis 2000 Personen geschätzt.

Deine Meinung

2 Kommentare