Internet Anno 1998 – Als nur «Freaks» im Netz unterwegs waren

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Internet Anno 1998Als nur «Freaks» im Netz unterwegs waren

Ein 16 Jahre altes Interview der Zeitschrift «Bravo» zeigt, wie fremd das Internet für Otto Normalverbraucher damals noch war. Einige Klischees sind geblieben.

Die Interviewten der «Bravo»-Spezialausgabe «Screenfun» mussten sich teilweise Fragen stellen, wie sie sonst Drogensüchtigen zu beantworten haben.

Die Interviewten der «Bravo»-Spezialausgabe «Screenfun» mussten sich teilweise Fragen stellen, wie sie sonst Drogensüchtigen zu beantworten haben.

«Online sein – oft hört man, wie toll das ist. Aber jeder verspricht sich etwas anderes vom Internet», beginnt ein Artikel einer Spezialausgabe der Jugendzeitschrift «Bravo» aus dem Jahr 1998. Acht junge Internetnutzer erzählten in einem Gruppen-Interview von ihren Erfahrungen mit dem World Wide Web. Ein Bild dieses Artikels mit dem Titel «Online gehen – lohnt sich das?» ist nun auf der Foto-Sharing-Plattform Flickr veröffentlicht worden.

In dem vor über 16 Jahren publizierten Text wurden den als «Online-Freaks» bezeichneten jungen Interviewten Fragen gestellt, die ansonsten Drogensüchtige über sich ergehen lassen müssen: «Stephan, du bist seit einem Jahr online. Wie kam es dazu?», wollte der «Bravo»-Reporter beispielsweise wissen. Zwei andere Gesprächsteilnehmer berichteten von Chat-Unterhaltungen, die sich tatsächlich anderen Inhalten widmeten als der Frage nach Nacktbildern oder Sextreffen.

Stadt-Chats und lokale Mailboxen

Ebenso verändert haben sich in den letzten eineinhalb Jahrzehnten die besuchten Websites und Plattformen der Internetnutzer. «Ich gehe meist zuerst zu den großen Suchmaschinen wie Yahoo», erzählte etwa der 17-jährige Stephan. Sein Kumpel Thomas trieb sich anno 1998 oftmals in einem Chat mit dem Namen StadtNet herum. Vor allem mittags seien dort nette Gesprächspartner anzutreffen. Andrea nutzte lokale Mailboxen – etwas, was wir heute gar nicht mehr kennen. Martin dagegen fand, dass Computer-Magazine mit ihren Internet-Geschichten nicht die Wirklichkeit darstellen.

Nicht ganz so stark verändert hat sich die Vorstellung des typischen Computer-Nerds: «Die meisten Leute denken bei ‹online›, du hängst die ganze Nacht vor deinem Rechner und entfremdest dich total», sagte Christian. Auch die 18-jährige Dorle bezeichnete Internetfans als «so hibbelige Typen». Bereits damals betonten die Jugendlichen allerdings, dass dieses Bild nur in wenigen Fällen der Wahrheit entspreche.

(L'essentiel / sts)

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