Coronavirus in Luxemburg – «Am 1. April hatten wir sehr große Angst»
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Coronavirus in Luxemburg«Am 1. April hatten wir sehr große Angst»

LUXEMBURG – Dr. Pierre Hertz hatte die Idee, die vier Corona-Versorgungszentren zu errichten. Wir haben mit ihm über die Zeit gesprochen, in der sich das Land wappnete.

Am 19. März war spätestens klar, dass das Coronavirus nicht mehr aufzuhalten ist. An diesem Donnerstag erreichte die Pandemie auch Westeuropa und die luxemburgische Bevölkerung wurde angehalten, das Haus nur noch für Notfälle zu verlassen. Dr. Pierre Hertz, Berater der Gesundseitskasse CNS wurde an dem Tag vom Krisenstab der Regierung damit beauftragt, den unvermeidlichen Zustrom von Covid-19-Patienten in geordnete Bahnen zu lenken und damit die Krankenhäuser zu entlasten. Seine Idee: Die Errichtung der vier Versorgungszentren.

Die Regierung stimmte seinem Vorschlag bereits am nächsten Tag zu. Drei Tage später wurden in der Luxexpo in der Hauptstadt die ersten Patienten eingeliefert. «Dann wurde der Druck immer größer. Wir wussten noch immer nicht, was da auf uns zukommt», sagt Hertz. In der Folge öffneten dann auch die Zentren in der Ettelbrücker Däichhal, im Kulturzentrum in Grevenmacher und in der Rockhal in Esch-Belval.

« Die Welle der Solidarität war einfach wunderbar »

«Wenn es wirklich schlimm gekommen wäre, hätten wir bis zu 3000 Patienten pro Tag versorgen können», so Hertz weiter. Der Höhepunkt wurde schließlich am 1. April erreicht, als 374 Patienten in die Zentren kamen, davon 162 in der Rockhal. «An diesem Tag hatten wir sehr große Angst. Wir wussten schließlich nicht, ob die Zahlen weiter ansteigen. Zum Glück war das nicht der Fall», sagt Hertz.

Zwischen fünf und zehn Patienten wurden jeden Tag von den Versorgungszentren in die Krankenhäuser verlegt. In den provisorischen Einrichtungen sei mit dem Schlimmsten gerechnet worden: «Wir hatten uns auf alles vorbereitet. Wir hatten auch ein Lager, in dem wir viele Leichensäcke aufbewahrt haben», sagt Hertz. Damit die Zentren funktionieren, sei eine «Armee» nötig gewesen, wie er es ausdrückt: «Alleine im April haben 1500 Menschen in den Zentren gegen das Virus angekämpft – Ärzte, Pflegepersonal, Freiwillige.»

Was Hertz vom dem Ausnahmezustand mitnimmt ist aber nicht das Gefühl der Angst. «Die Welle der Solidarität war einfach wunderbar. Ich werde auch nie den Gesichtsausdruck einer Frau vergessen, als sie gesagt bekommen hat, dass sie dringend ins Krankenhaus muss.» Und wenn es zu einer zweiten Welle kommt? «Ich glaube, dass ich es dann genauso machen würde», sagt Hertz.

(Nicolas Chauty/L'essentiel)

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