US-Präsidentenwahlen – «Amerika hat nun viel Arbeit vor sich»

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US-Präsidentenwahlen«Amerika hat nun viel Arbeit vor sich»

LUXEMBURG - Die amerikanischen Staatsbürger in Luxemburg haben die Wahl über Nacht gespannt verfolgt. Die Stimmung war angespannt. «L'essentiel» war mit dabei.

Mehrere Dutzend US-Amerikaner in Luxemburg haben sich am Mittwochmorgen im Hotel Double Tree by Hilton versammelt, um die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen zu verfolgen. Die US-Botschaft hatte ab 4.30 Uhr zum morgendlichen Empfang geladen. Die Stimmung war nach Bekanntwerden der ersten Ergebnisse gedämpft und sehr gespannt.

Ein Jazz-Orchester empfing die Gäste in einem Saal, der in den Farben der Vereinigten Staaten dekoriert wurde. Doch die Musik war vielen nur ein schwacher Trost. Viele Anhänger der Clinton-Fraktion kamen mit hängenden Köpfen nach Dommeldingen. «Der Morgen dauert schon lang», flüstert eine Person beim Eingang. Während immer mehr Ergebnisse aus den einzelnen Bundesstaaten bekannt werden, steigt auch die Spannung bei US-Bürgern in Luxemburg.

Die Stimmung bei den Republikanern wird immer optimistischer, sie können auf einen Sieg ihres Kandidaten Donald Trump hoffen. «Wir haben sowohl das Repräsentanten-Haus wie auch den Senat gewonnen. Das war das wichtigste für uns», lächelt Jeffrey Hook. «Das gleicht die Machtverhältnisse aus. Auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl müssen wir noch warten. Trump hat von neuen Arbeitsstellen geredet, das wollten die Leute hören. Aber so oder so, niemand erwartet wirklich was von ihm, er hat also nichts zu verlieren.»

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Hillary kann noch gewinnen

Seine Parteikollegin Megan Kauffmann hat ebenfalls für Trump gestimmt. «Wir müssen Amerika wieder auf den richtigen Kurs bringen, es muss sich etwas verändern. Und egal was jetzt passiert, wer hätte gedacht, das Trump so weit kommt, dass er dem Sieg jetzt so nah sein würde.»

Der Präsident der US-Demokraten in Luxemburg, Will Bakker, ist erstaunt über den prognostizierten Ausgang der Wahl. Um 6 Uhr meinte er: «Ich glaube, dass Hillary Clinton noch gewinnen kann. Man muss sich die Swing States ansehen. Trump muss alle gewinnen.» Schönreden hin oder her – die USA zeigen sich nach dem Urnengang gespalten wie nie. «Unser Land wird viel zu tun haben, um zusammenzurücken, damit die einen wieder mit den anderen reden. Auf alle Fälle glaube ich nicht, dass Donald Trump die Werte von Amerika repräsentiert.» Der Vorsitzende der Republikaner im Großherzogtum wollte dem Ausgang der Wahl indes am Morgen noch nicht vorgreifen.

Frühmorgens trafen auch Luxemburger Politiker im Hotel Double Tree ein. Der ADR-Abgeordnete Roy Reding sowie die LSAP-Politiker Marc Angel und Alex Bodry zeigten sich angesichts des Zwischenstandes überrascht. «Es sieht nicht gut aus», erklärte Bodry. Premierminister Xavier Bettel (DP) unterhielt sich mit dem Botschafter der Vereinigten Staaten, David McKean, über die überraschenden News aus Übersee. Bettel pocht darauf, dass man «den demokratischen Prozess» respektieren müsse, gibt aber dennoch seine «Beunruhigung» zu, während McKean sich fragt, was diese Wahl auf internationaler Ebene verändern wird. Als gegen 8.50 Uhr Trump aufs Podium steigt, als neuer Präsident Amerikas gefeiert wird, ist in Luxemburg aber kaum noch jemand im Hotel Double Tree präsent, der ihm zuhören würde.

(Jérôme Wiss/L'essentiel)

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