Kriegsfotograf – «An einige Bilder wird man sich erinnern»

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Kriegsfotograf«An einige Bilder wird man sich erinnern»

Seit 20 Jahren dokumentiert Goran Tomasevic die Kriege dieser Welt. Die Bilder haben sich kaum verändert, doch die Verantwortung den Opfern gegenüber motiviert ihn bis heute.

Wer wie Goran Tomasevic lange im Geschäft ist, darf auch ein bisschen resümieren. Häuserkampf sei Häuserkampf, ob auf dem Balkan, im Irak oder aktuell in Syrien: «Ich glaube, auch im Zweiten Weltkrieg sahen die Bilder nicht anders aus», sagt der langjährige Reuters-Fotograf in einem Video-Porträt für das internationale Festival des Fotojournalismus.

Allerdings sind auch die Bedingungen, in einem urbanen Kriegsgebiet zu fotografieren, gleich extrem geblieben: «Das Licht ändert sich ständig. Von extremer Helligkeit bis zu extremer Dunkelheit. Dazu kommen extreme Situationen, wenn verletzte Menschen schreien oder bei Explosionen», sagt Tomasevic.

«Ich kann diese Leute nicht verraten»

Doch der Veteran scheut die Herausforderung nicht: «Wenn ein Einsatz in einem Kriegsgebiet beginnt, gibt es für mich kein Zurück mehr. Ich würde mich schämen, nicht durchzuhalten», sagt er. Sollte er sich eines Tages dabei ertappen, dass er sich nicht mehr genug anstrenge, werde er seinen Job an den Nagel hängen. «Ich kann diese Leute nicht verraten, indem ich mich weigere, ihr Schicksal zu dokumentieren, nur weil es gefährlich ist», so Tomasevic.

Auch die Hoffnung, mit seinen Bildern etwas zu bewirken, hat er in all den Jahren nicht aufgegeben: «Ich weiß, an einige Bilder wird man sich erinnern. Und ich hoffe, sie verändern etwas. Wenn ich die Brutalität des Krieges zeige, werden sich vielleicht einige besinnen und darum bemühen, dass nicht jeden Tag so viele Menschen sterben.»

(L’essentiel Online / kri)

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