Al-Kaida-Helfer vor Gericht – Angeklagter wollte den «Heiligen Krieg»

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Al-Kaida-Helfer vor GerichtAngeklagter wollte den «Heiligen Krieg»

KOBLENZ - Sein Ziel war der «Heilige Krieg»: Das hat ein mutmaßliches Al-Kaida-Mitglied im neuen Koblenzer Terrorprozess eingeräumt. Er hatte offenbar Kontakt zu 9/11-Terrorhelfern.

Der 37-jährige Deutsch-Afghane steht in Koblenz vor Gericht.

Der 37-jährige Deutsch-Afghane steht in Koblenz vor Gericht.

DPA

Das angebliche Al-Kaida-Mitglied Ahmad S. hat zum Auftakt eines weiteren Terrorprozesses in Koblenz einen Teil der Vorwürfe eingeräumt. Der 37-jährige Ahmad S.bestätigte am Montag vor dem Oberlandesgericht Koblenz, er sei nach Pakistan gereist, habe am «Heiligen Krieg» (Dschihad) teilnehmen und beim Terrornetzwerk Al-Kaida mitmachen wollen. «Wir wollten kämpfen. Wenn es dazu gekommen wäre, dann hätten wir auch gekämpft.»

Er räumte auch ein, in einem Propagandafilm mitgewirkt zu haben. Dort war er mit Maschinengewehr zu sehen, die Aufnahme war aber unkenntlich gemacht worden. Er habe vorgehabt, zu Al-Kaida zu gehen, sagte der Mann, der sich vor Gericht freundlich und auskunftsbereit gab.

Terrorcamp 2009

Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, er sei Mitglied bei Al-Kaida und der Islamischen Bewegung Usbekistan (IBU) gewesen. Er habe ein Netzwerk von Al-Kaida in Europa mit aufbauen und möglicherweise Anschläge in Deutschland unterstützen sollen. Oberstaatsanwalt Ullrich Schultheis sagte, der Angeklagte sollte für weitere, bisher unbekannte Aufträge zur Verfügung stehen. «Es liegt jedoch nahe, dass es sich dabei um terroristische Anschläge handeln sollte.»

Der Anklageschrift des Generalbundesanwalts zufolge entschloss sich der Mann 2009, am «Heiligen Krieg» teilzunehmen. Als Teil der Hamburger «Reisegruppe» - einer Islamistenzelle - soll er 2009 in ein Terrorcamp in Pakistan gereist sein und bei der IBU mitgemacht haben. Danach habe er sich Al-Kaida angeschlossen, sei auf Kampfeinsätze vorbereitet worden und 2010 in Kontakt mit einem hochrangigen Al-Kaida-Funktionär gekommen. Das geplante Netzwerk in Europa habe die finanzielle Unterstützung von Al-Kaida sicherstellen sollen.

Lernte 9/11-Helfer kennen

Der Angeklagte bestätigte, dass er mit Kollegen der sogenannten Hamburger «Reisegruppe» nach Pakistan unterwegs war, um zu kämpfen. Er sagte auch, er habe Mounir El Motassadeq bei seiner Arbeit auf dem Hamburger Flughafen kennengelernt. Motassadeq verbüßt als Helfer der Todespiloten vom 11. September 2001 in Hamburg eine 15-jährige Haftstrafe. Andere aus diesem Umfeld kenne er nur aus dem Fernsehen, sagte der Angeklagte.

Der heute 37-Jährige wurde im Juli 2010 in Kabul aufgegriffen und in US-Gewahrsam genommen. Im April 2011 kam er in Deutschland in Untersuchungshaft. Er war nach eigenen Angaben 1990 mit einem Teil seiner Familie nach Hamburg gekommen. Von 1997 bis 2006 habe er für einen Reinigungsdienst am Flughafen gearbeitet und sich dann mit einem Reisebüro selbstständig gemacht. Der Prozess wird an diesem Dienstag fortgesetzt.

Es ist der zweite Koblenzer Terrorprozess: Seit November muss sich vor dem Staatsschutzsenat der mutmaßliche islamistische Terrorhelfer und Al-Kaida-Anwerber Hussam S. verantworten.

(L'essentiel Online/dpa)

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