Balkan-Jahrhundertflut – Angst vor Erdrutschen - und 120'000 Minen

Publiziert

Balkan-JahrhundertflutAngst vor Erdrutschen - und 120'000 Minen

Langsam nur entspannt sich die Hochwasserlage in Ost- und Südosteuropa. Doch jetzt wächst die Angst vor Erdrutschen. Und einem explosiven Erbe aus dem Krieg.

Nach den verheerenden Unwettern in Ost- und Südosteuropa entspannt sich die Hochwasserlage allmählich - und enthüllt die Ausmaße der Katastrophe. Besonders in den bosnischen Überflutungsgebieten werden zahlreiche Tote beklagt.

Doch auch wenn sich die Hochwasserlage etwas beruhigt hat: Eine Hinterlassenschaft aus dem Bosnienkrieg weckt neue Ängste: So haben Wassermassen zahlreiche Minen aus markierten Minenfeldern weggerissen. Sie könnten sie über die in die Save mündenden bosnischen Flüsse bis zur Donau und das Schwarze Meer spülen, erklärten Experten am Sonntag.

Vor dem Hochwasser – dem schwersten seit Beginn der Aufzeichnungen vor 120 Jahren – waren noch 120'000 Minen in markierten Minenfeldern vergraben. Ein Sprecher des Bosnischen Minenzentrums, Sasa Obradovic, sagte, seine Behörde werde am Montag Experten in die Regionen schicken. «Minen sind jetzt in Gegenden aufgetaucht, wo nie welche gewesen sind», sagte er.

Zehntausende flüchten

Zehntausende Menschen sind inzwischen vor den Wassermassen geflohen. Allein in der Stadt Doboj im Norden von Bosnien-Herzegowina brachten Einsatzkräfte bis Sonntag 20 Opfer in die städtische Leichenhalle, wie Bürgermeister Obren Petrovic sagte. In anderen Orten gab es mindestens sieben weitere Todesopfer. Im serbischen Obrenovac nahe Belgrad bargen Helfer zwölf Leichen.

In Kroatien starb ein Mann in einem zusammenbrechenden Haus. Die Tageszeitung Vecernji List berichtete, nur wenige Minuten zuvor sei eine Frau aus dem Haus gerettet worden.

(L'essentiel/dpa/sda)

Hilfe aus EU-Staaten

Bosnien und Serbien haben die Europäische Union vor wenigen Tagen um Hilfe gebeten. Deutschland und weitere EU-Staaten sagten den beiden Balkanländern umgehend Unterstützung zu. Auch Luxemburger Helfer sind im Hochwasser-Einsatz: Ein 25-Mann-Team ist mit fünf Rettungsbooten in Richtung Balkan gereist. Die Experten für sogenannte "Fließwasserrettung" sollen rund eine Woche vor Ort helfen.

Deine Meinung