Ukraine-Krieg: Anonymous hackt russisches Militär und leakt Drohnen-Daten
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Ukraine-KriegAnonymous hackt russisches Militär und leakt Drohnen-Daten

Die Hackergruppe Anonymous hat Pläne und Taktiken für Drohnen des russischen Militärs geleakt. Solche Aktionen können den Kriegsverlauf zugunsten der Ukraine beeinflussen, sagt ein Cyberexperte.

von
Nicolas Meister
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Das Hackerkollektiv Anonymous hat laut eigenen Angaben geheime Pläne und Taktiken für die Drohnen des russischen Militärs bei einer Cyberattacke erbeuten können.

Das Hackerkollektiv Anonymous hat laut eigenen Angaben geheime Pläne und Taktiken für die Drohnen des russischen Militärs bei einer Cyberattacke erbeuten können.

Anonymous
«Wir hoffen, dass mit diesen Informationen der Krieg möglichst schnell beendet werden kann», schreibt Anonymous auf Twitter. Die Hackergruppe verübt seit Kriegsbeginn Cyberattacken auf die russische Regierung.

«Wir hoffen, dass mit diesen Informationen der Krieg möglichst schnell beendet werden kann», schreibt Anonymous auf Twitter. Die Hackergruppe verübt seit Kriegsbeginn Cyberattacken auf die russische Regierung.

REUTERS
Wer über genügend Wissen, Ressourcen und Zeit verfüge, könne jedes mit dem Internet verbundene System ausfindig machen und in es eindringen – auch in jedes militärische System, so ein Cyber-Experte

Wer über genügend Wissen, Ressourcen und Zeit verfüge, könne jedes mit dem Internet verbundene System ausfindig machen und in es eindringen – auch in jedes militärische System, so ein Cyber-Experte

Getty Images/iStockphoto

Das Hackerkollektiv Anonymous hat Russland kurz nach Beginn des Ukrainekriegs den Cyberkrieg erklärt. Seither hat es mehrere Cyberattacken gegen die russische Nationalbank, das Staatsfernsehen und mehrere Waffenproduzenten verübt. Die jüngste Aktion richtet sich gegen das russische Militär selbst. Anonymous ist es nach eigenen Angaben gelungen, geheime Pläne und Daten zu russischen Drohnen zu stehlen. «Wir hoffen, dass mit diesen Informationen der Krieg möglichst schnell beendet werden kann», schreibt das Hackerkollektiv auf Twitter.

Die Mitglieder von Anonymous seien nämlich keineswegs Amateure, sondern regelrechte Hacker-Profis, sagt Gazmend Huskaj, Vorsteher der Abteilung Cyber Security am «Geneva Centre for Security Policy». «Sie haben nicht nur die offizielle Website des weißrussischen Innenministeriums lahmgelegt, sondern auch die russische Zentralbank mehrfach angegriffen.»

«Im Cyberspace gibt es fast überall Schwachstellen»

Dass es dem Hackerkollektiv gelungen sei, Teile des russischen Militärs zu hacken, ist für den Experten gut vorstellbar. Jedes System, das an das Internet angeschlossen sei, sei für Cyberattacken verwundbar, so Huskaj. «Der Cyberspace ist ein durchlässiges operatives Umfeld, in dem es fast überall Schwachstellen gibt.» Wer über genügend Wissen, Ressourcen und Zeit verfüge, könne jedes mit dem Internet verbundene System ausfindig machen und in es eindringen – auch in jedes militärische System.

«Darum schaffen Militärs auf der ganzen Welt Einheiten zur Durchführung offensiver und defensiver Cyberspace-Operationen. Das bringt Vorteile für nachrichtendienstliche, sicherheitspolitische Zwecke und die nationale Sicherheit.» Entsprechend hätten die Militärs und Regierung auch realisiert, dass es keine gute Idee sei, alle Systeme mit dem Internet zu verbinden. «Aber selbst wenn man über Systeme verfügt, die getrennt und abgeschottet sind, besteht immer das Risiko einer Insider-Bedrohung.» Das passierte zum Beispiel 2016, als ein CIA-Mitarbeiter kurz vor seiner Entlassung heikle Daten veröffentlichte.

Drohnendaten bringen «taktischen Vorteil»

Tatsächlich können Aktionen wie diejenige von Anonymous gegen das russische Militär Einfluss auf das Kriegsgeschehen haben, sagt Der Cyberexperte: «Die Veröffentlichung der geheimen Daten zu den Drohnen des russisches Militärs verschafft den ukrainischen Streitkräften einen taktischen Vorteil auf dem Schlachtfeld. So können die Schwächen der Drohnen ausgenutzt werden.» Außerdem sorgten sie für Verlegenheit beim Gegner und erhöhten die Unsicherheit über die künftige Erfolgsquote von Drohnenangriffen.

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