«Quality of Work Index» – Arbeitnehmer in Luxemburg: Stresslevel bleibt hoch

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«Quality of Work Index»Arbeitnehmer in Luxemburg: Stresslevel bleibt hoch

LUXEMBURG – Beschäftigte im Großherzogtum fühlen sich am Arbeitsplatz immer mehr gestresst. Das geht aus dem «Quality of Work Index» der Arbeitnehmerkammer hervor.

David Buchel (rechts) stellt fest, dass der Mitarbeiter bezüglich der Organisation seiner Arbeit heute nur noch einen begrenzten Handlungsspielraum habe.

David Buchel (rechts) stellt fest, dass der Mitarbeiter bezüglich der Organisation seiner Arbeit heute nur noch einen begrenzten Handlungsspielraum habe.

In Luxemburg nimmt der Stress auf der Arbeit weiter zu. Das geht aus dem von der Arbeitnehmerkammer (CSL) am Dienstagmorgen veröffentlichten «Quality of Work Index 2018» hervor. «Arbeitsbedingter Stress ist in der modernen Arbeitswelt nicht selten und ein ernstzunehmendes Thema», erklärt David Buchel, Psychologe bei der Arbeitnehmerkammer. «Arbeitgeber stellen sehr hohe Ansprüche an ihre Mitarbeiter. Zeitdruck, Informationsüberschuss und häufige Terminänderungen führen zu Stress. Darüber hinaus hat der Mitarbeiter heute bezüglich der Organisation seiner Arbeit nur noch einen begrenzten Handlungsspielraum», so Buchel weiter.

Angesichts dieser Schwierigkeiten schlägt die CSL eine Arbeitsorganisation vor, die auf die Mitarbeiter mehr Rücksicht nimmt. «Ein Arbeitgeber muss die Mitarbeiter zu ihrer Arbeit befragen, Kapazitäten oder Entscheidungen delegieren, Organisationsstrukturen unterstützen und Kreativität sowie Eigeninitiative fördern», meint der Präsident der Arbeitnehmerkammer, Jean-Claude Reding. Die Qualität der Arbeitsbedingungen aus Sicht der Arbeitnehmer hat sich in den vergangenen fünf Jahren kaum verändert. Der Indexwert liegt heute bei 54,5.

Recht auf Handy-Abschalten

In ihrer Analyse der Arbeitsqualität im Großherzogtum warnt die CSL auch vor dem Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. «Wir haben seit 2014 eine Zunahme der Schwierigkeiten festgestellt», sagt David Buchel. Der Trend habe sich 2018 auf hohem Niveau gehalten. Im Zuge dessen fordert die CSL eine Senkung der Arbeitszeit ohne Lohnkürzung. Dies sei aufgrund des steigenden technologischen Fortschritts durchaus machbar. «Die meisten Studien bezüglich Produktivität und Arbeitszeit kommen zu dem Schluss, dass die ideale Arbeitszeit unter 40 Stunden pro Woche, bei 36 bis 37 Stunden pro Woche, liegt», erklärt Jean-Claude Reding weiter.

Zudem sei die Trennung von Arbeitszeit und Freizeit extrem wichtig. «Arbeitnehmer müssen das Recht haben, zuhause von der Arbeit abschalten zu können.»


(Olivier Loyens/L'essentiel)

Was beschreibt der «Quality of Work Index»?

Der «Quality of Work Index» ist ein Index, der die Qualität der Arbeit und das Wohlbefinden der Arbeitnehmer, beschreibt. Der Index wurde 2012 von der Chambre des salariés ins Leben gerufen. Seit 2013 wird von einem Meinungsforschungsunternehmen jährlich eine Umfrage durch telefonische Interviews durchgeführt. Im Jahr 2018 wurden in Luxemburg 1689 Mitarbeiter im Alter von 16 bis 64 Jahren befragt, die mindestens 10 Stunden pro Woche arbeiten.

Die Chambre des salariés Luxembourg (CSL) hat kürzlich eine interaktive Website freigeschaltet, um die Qualität der von den Arbeitnehmern in Luxemburg wahrgenommenen Arbeit analysieren zu können. «Damit ist es möglich, die Entwicklung der Daten zu messen und Arbeitergruppen zu vergleichen», sagt David Buchel, Psychologe bei CSL.

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