Schweiz – Arbeitsloser wirbt auf Bus mit seiner XXL-Bewerbung

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SchweizArbeitsloser wirbt auf Bus mit seiner XXL-Bewerbung

Nach monatelanger Suche nach einer neuen Anstellung hat ein Genfer zu kreativen Mitteln gegriffen, um auf sich aufmerksam zu machen.

Ein Bus in Genf wirbt für den Arbeitssuchenden Patrick Schneuwly.

Ein Bus in Genf wirbt für den Arbeitssuchenden Patrick Schneuwly.

20 Minutes

«Mein Gesicht ist über zwei Meter groß», so Patrick Schneuwly. Ihn kennt mittlerweile vermutlich die ganze Stadt Genf. Der Grund: Sein Gesicht samt Lebenslauf prangt auf einem Stadtbus.

Schneuwyl ist seit März 2020 arbeitslos. Aufgrund der Corona-Pandemie habe ihn sein Arbeitgeber entlassen. Seine Suche, eine neue Anstellung zu finden, ist ins Leere verlaufen. Mit dieser kreativen Werbe-Methode will er nun einen Weg aus der Arbeitslosigkeit finden. «Ich wollte kreativ sein. Ich war inspiriert von dem, was in den Vereinigten Staaten gemacht wird. Dort ist die Praxis des Selbstmarketings weit verbreitet», erklärt der Genfer gegenüber 20 Minutes.

So durchquert seit letztem Mittwoch sein Berufsprofil die Stadt Genf: Auf einer Fläche von sechs Quadratmetern ist sein Porträt und Lebenslauf auf einem Stadtbus angebracht.

«Am Anfang war ich natürlich motiviert. Ich dachte, mein Profil wäre attraktiv, fand mich aber bald in der langen Reihe der Arbeitssuchenden wieder», erklärt er. Auch, dass noch kein Ende der Pandemie in Sicht ist, stimmte ihm missmutig.

800 Schweizer Franken für Bus-Anzeige

Auf der Suche nach einer kreativen Bewerbungsmöglichkeit sah er im Dezember, dass das Genfer Busunternehmen 50 Prozent Rabatt für Inseratskunden anbietet. Insgesamt hat Schneuwyl 800 Franken (rund 740 Euro) für die Mega-Anzeige gemacht, die nun 14 Tage lang durch die Stadt gefahren wird.

Der 29-Jährige, der im Bereich Marketing und Eventmanagement tätig ist, ist sich bewusst, dass nicht alle Arbeitssuchenden über die finanziellen Mittel verfügen, eine solche Werbekampagne durchzuführen.

«In vier Monaten hatte ich nur zwei Interviews und eine sehr niedrige Rücklaufquote. Im September erhielt ich von 14 Bewerbungen kaum Rückmeldung», so der Schweizer. Lediglich auf zehn Prozent der Bewerbungen habe er jeweils eine Antwort erhalten.

«Mein Telefon hat nicht aufgehört zu läuten»

«Es ist sehr frustrierend für Arbeitssuchende, die viel Energie und Hoffnung in eine Bewerbung stecken und dann keine Rückmeldung erhalten», so Schneuwly. Seine außerordentliche Bewerbungsmethode zeigt bereits Anklang: Zwei Unternehmen sind auf den 29-Jährigen zugekommen – aber nicht weil sie den vorbeifahrenden Bus gesehen haben. Sondern weil er ein Foto des Busses auf seinem Facebook- und Linkedin-Profil geteilt hat.

Und nebst interessierten Arbeitgebern habe er ein sehr gutes Feedback auf seine Aktion erhalten. «Letztes Wochenende hat mein Telefon nicht aufgehört zu läuten, viele lobten meinen Mut und wollten mir ihre Unterstützung für mein Vorhaben ausdrücken», so der Marketingfachmann, der bereits eine Umschulung in Erwägung zog, um so seine Jobchancen auf dem schwierigen Job-Markt zu verbessern.

(L'essentiel/Bianca Lüthy)

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