Deutschland: ARD-Journalist lobt Boris Pistorius und wird kurze Zeit später sein Sprecher

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DeutschlandARD-Journalist lobt Boris Pistorius und wird kurze Zeit später sein Sprecher

Boris Pistorius erhält als Verteidigungsminister einen neuen Sprecher. Nur wenige Tage davor war er in einem Artikel über Pistorius voll des Lobes. Nun kommen Fragen auf, ob ein Zusammenhang besteht.

von
Reto Bollmann
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Der neue deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius bekommt einen neuen Sprecher, wie das Ministerium am 23. Januar 2023 verkündete.

Der neue deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius bekommt einen neuen Sprecher, wie das Ministerium am 23. Januar 2023 verkündete.

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Der ARD-Journalist Michael Stempfle soll Christian Thiels ablösen, der zuvor sowohl für Christine Lambrecht als auch ihre Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer als Sprecher tätig war. Hier im Bild: Christine Lambrecht mit Ex-Sprecher Christian Thiels (Mitte).

Der ARD-Journalist Michael Stempfle soll Christian Thiels ablösen, der zuvor sowohl für Christine Lambrecht als auch ihre Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer als Sprecher tätig war. Hier im Bild: Christine Lambrecht mit Ex-Sprecher Christian Thiels (Mitte).

IMAGO/Björn Trotzki
Kurz bevor Michael Stempfle zum Sprecher ernannte wurde, lobte dieser Pistorius in einem ARD-Artikel überschwänglich, bezeichnete ihn als «Vollblutpolitiker, der anpackt».

Kurz bevor Michael Stempfle zum Sprecher ernannte wurde, lobte dieser Pistorius in einem ARD-Artikel überschwänglich, bezeichnete ihn als «Vollblutpolitiker, der anpackt».

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Der ARD-Journalist Michael Stempfle wird Leiter Stab Informationsarbeit, wie das deutsche Verteidigungsministerium am Montag in Berlin mitteilte. Damit löst er den früheren ARD-Journalisten Christian Thiels als Sprecher ab. Thiels war zuvor sowohl für Ministerin Christine Lambrecht (SPD) als auch für ihre Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) als Sprecher tätig gewesen.

Es ist nur einige Tage her, da veröffentlichte die ARD eine Analyse Stempfles über den neuen Verteidigungsminister. Im Text mit dem Titel «Ein Vollblutpolitiker, der anpackt», schreibt Stempfle, Pistorius’ Stimme habe «Gewicht». Er sei schlagkräftig und «ein Politiker-Typus (…), der über ein sicheres Gespür für Themen und für pragmatische Lösungen» verfüge.

Zeitpunkt lässt Fragen aufkommen

An der überaus positiven Analyse ist an sich wenig auszusetzen, doch lässt der Zeitpunkt des Erscheinens einige Fragen aufkommen, wie der «Focus» feststellt. Lag das Angebot zum Job des Minister-Sprechers bereits vor dem Artikel auf dem Tisch? War die ARD involviert?

CDU-Politiker Matthias Hauer wundert sich deswegen in einem Tweet: «Kürzlich noch überschwänglich Boris Pistorius bejubelt und schon wird Michael Stempfle sein Sprecher im Bundesverteidigungsministerium. Sicherlich klärt uns Stempfle auf, ob das Jobangebot aus dem BMVg zum Zeitpunkt des Kommentars schon vorlag!?»

Gegenüber dem «Focus» sagt eine Sprecherin des SWR: «Michael Stempfle hat heute, am 23.1.23, den SWR über die Beendigung seines Arbeitsvertrages informiert. Hierüber gab es zuvor keine Information. Der Artikel bei Tagesschau.de von Michael Stempfle bekommt aus Transparenzgründen einen Zusatz, der erklärt, dass er zu diesem Zeitpunkt noch Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio war.»

Unter der Analyse Michael Stempfles steht auf der Seite der ARD inzwischen der entsprechende Kommentar: «Anmerkung der Redaktion: Michael Stempfle war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes (17. Januar 2023) Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio. Seit dem 23. Januar 2023 ist bekannt, dass er als Sprecher in das Verteidigungsministerium wechselt.»

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