«Batman» – «Arkham Knight» – Verhungern im Überfluss

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«Batman»«Arkham Knight» – Verhungern im Überfluss

Exzellent designt, trotzdem schwindet der Spielspaß: Wieso «Batman: Arkham Knight» Gamern den Appetit aufs Spielen nimmt.

Stellen Sie sich vor, Sie haben Hunger. Sie gehen in ein Restaurant und freuen sich auf ein herzhaftes Menü. Man legt Ihnen ein Buch auf den Tisch, so dick wie die Bibel. Darin die unendliche Auswahl: Kreationen des Chefkochs, unzählige Häppchen, die Sie selbst zu einem Menü kombinieren müssen. Überfordert verlassen Sie das Lokal und suchen den nächsten Hamburger-Schuppen auf.

Nein, Sie sind nicht irrtümlich in der Food-Rubrik von L'essentiel gelandet und der Gamechannel hat sich auch nicht in einen Platz für Restaurantkritiken verwandelt. Hier geht es immer noch um Videospiele. In diesem Fall um eines, auf das ich mich gefreut habe, wie auf ein Cordon bleu – «Batman: Arkham Knight».

Ein Stück Videospielgeschichte

Als 2009 mit «Batman: Arkham Asylum» der erste Teil der Actiongame-Trilogie erschien, erlebte der Superheld des DC-Comics-Universums einen seiner stärksten Auftritte in der Geschichte der Videospiele. Wie man im technologisch gepimpten Dress der menschlichen Fledermaus Gotham City von Gesindel befreien konnte, machte enormen Spaß. Noch besser war der Nachfolger «Batman: Arkham City» (2011). Das Game wurde mit Bestnoten bewertet.

Auch der Abschluss der Trilogie – «Batman: Arkham Knight» – ist technisch betrachtet ein erstklassiges Werk. Von den flüssigen Bewegungen des Superhelden über die optische Qualität von Gotham City bis hin zur Steuerung – an der professionellen Gameprogrammierung lässt sich nichts aussetzen. Dennoch hat es mir den Appetit verschlagen. Aus mehreren Gründen.

Zu wenig und zu viel

Einerseits haben es sich die Entwickler des Rocksteady-Studios zu leicht gemacht. Die Programmierung einer offen begehbaren Welt wie jener von Gotham City in «Arkham Knight» ist aufwändig – besonders, wenn das offene Spielfeld durch Menschen, Verkehr und unterschiedliche Quartiere lebendig und abwechslungsreich wirken soll. Die Entwickler haben aber zu einem billigen Trick gegriffen: Ein angedrohter Giftangriff des Superschurken Scarecrow lässt die Bewohner «en masse» flüchten. Besetzt werden die nun weitgehend leeren Straßen mit vereinzelten Gruppen von Gaunern, die sich gleichen wie ein faules Ei dem anderen. Die Tristesse wird noch verstärkt, weil sich die Straßenzüge kaum voneinander unterscheiden; alles sieht aus wie China Town.

Hingegen setzt Rocksteady den Spielern ein zu volles Menü an Spielvarianten vor. Batman verfügt über so viele Gadgets, Fähigkeiten, Aufrüstungs- und Verbesserungsmöglichkeiten inklusive unzähliger Tastenkombinationen, dass die Übersicht schlicht verloren geht. Hinzu kommt das neue Batmobil mit ebenfalls einer Reihe Steuerfunktionen bis hin zum ferngesteuerten Einsatz, das weitere Spielvarianten hinzufügt. Erklärungen, welche Methode sich für die jeweiligen Einsätze eignet, gibt es nicht; auch geübte Spieler sehen sich einer überfordernden Auswahl gegenüber.

Einen schalen Geschmack hinterlässt auch die Story: Zwar würzen Momente voller Selbstironie die Geschichte, in der Regel aber wirkt sie plump, an den Haaren herbeigezogen und hölzern. Zudem wird die Story auf buchstäblich erschöpfende Weise vorangetrieben: Jede Mission lädt neue Gadgets und Batman-Tricks auf den schon übervollen Teller, aus Überdruss am Überfluss vergeht einem so bald die Lust aufs Spiel. Oder anders ausgedrückt: Die Kombination aus Nouvelle cuisine und Molekularküche, wie sie in «Batman: Arkham Knight» aufgetischt wird, schlägt auf die Dauer aufs spielerische Verdauungssystem.

(L'essentiel/Jan Graber)

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