Druck per Mail – Armstrong wollte Obama erpressen
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Druck per MailArmstrong wollte Obama erpressen

Immer neue dunkle Machenschaften von Lance Armstrong kommen ans Tageslicht. So soll der Texaner den US-Präsidenten schriftlich bedroht haben.

Lance Armstrong schreckte anscheinend auch nicht vor dem mächtigsten Mann der Welt zurück: 2008 soll der Texaner laut einem Artikel der US-Publizistin Selena Roberts versucht haben, den heutigen US-Präsidenten Barack Obama zu erpressen.

Armstrong wollte Obama im Sommer 2008 zur Teilnahme an einer Veranstaltung seiner Stiftung Livestrong bewegen. Obama sagte ihm jedoch laut Selena Roberts wegen einer Europa-Reise ab. Der Texaner wollte dies nicht hinnehmen.

Offene Drohung

In einer Mail an Obamas Parteifreund John Kerry soll Armstrong unverhohlen gedroht haben: «Wenn Krebs für die Demokratische Partei kein Thema ist, gehen wir in die Livestrong-Datenbank mit ihren Millionen von registrierten Mitgliedern und lassen alle wissen, wo die Demokratische Partei in dieser Frage steht», zitiert die frühere «New York Times»-Autorin aus Armstrongs Nachricht an Kerry.

Armstrong habe bis zuletzt versucht, seinen Einfluss auf die Politik zu nutzen. Roberts erwähnt die zwischenzeitliche Einstellung der offiziellen US-Ermittlungen gegen den Texaner. Hier soll Ex-Präsident Bill Clinton beim zuständigen Staatsanwalt Andre Briotte Einfluss genommen haben. Interessanterweise habe Armstrong zum Zeitpunkt der Einstellung 100 000 Dollar für eine von Clintons Demokraten unterstützte Organisation gespendet, die Brustkrebs-Therapien für finanziell schlechtgestellte Frauen finanziert.

«Seine Kontrollen waren alle okay»

Ungeachtet der neuen Entwicklungen erhält Armstrong Schützenhilfe von Miguel Indurain, fünffacher Tour-de-France-Sieger in den 90er-Jahren. «Seine Kontrollen waren alle okay und er hat sämtliche Prozesse gewonnen», sagt der mittlerweile 48-jährige Spanier im nationalen Radio Marca. Dass das Rad-Denkmal gestürzt worden ist, versteht Indurain nicht. «Ich bin ein bisschen fassungslos, dass er nun aufgrund von Zeugenaussagen verurteilt worden ist.»

Indurain gewann die Grande Boucle in den Jahren 1991 bis 1995. Ein positiver Dopingtest 1994 auf Salbutamol hatte keine Konsequenzen, weil das Mittel als Asthma-Medikament zugelassen war. Mit seinen fünf Tour-de-France-Siegen zählt der Spanier nach Armstrongs Demontage wieder zu den Rekordgewinnern. Eddy Merckx und die Franzosen Jacques Anquetil und Bernard Hinault gewannen das größte Radrennen der Welt ebenfalls fünfmal. Allerdings nicht in Serie.

Hamilton fordert Rücktritt von UCI-Präsident

Ganz anders als Indurain argumentiert der aktive Radprofi Mark Cavendish. «Wer etwas getan hat, soll es zugeben», sagte der 27-jährige Brite in einem «BBC»-Interview. «Dass jeder dem Sport, den ich liebe, Schaden zufügen kann, ist frustrierend.»

Es gebe auch in der Unterhaltung, dem Journalismus und jedem Sport Betrüger, so die Sprintrakete weiter. Dass es in anderen Sportarten weniger Dopingfälle gibt, hat laut Cavendish mit den strengen Kontrollen zu tun. «In meinen Augen ist der Radsport der sauberste Sport», sagt er sogar.

«Sie sind keine Helden, sie sind Drecksäcke»

Ex-Profi Tyler Hamilton, Kronzeuge in der Doping-Affäre Armstrong, hat sich auch wieder zu Wort gemeldet. UCI-Präsident Pat McQuaid habe «keinen Platz» mehr im Sport, sagte der ehemalige Phonak-Fahrer. Er reagiert damit auf Aussagen des irischen Vorsitzenden des Radsport-Weltverbandes.

Pat McQuaid hatte Hamilton und Floyd Landis, der auch gegen Armstrong ausgesagt hat, hart attackiert. «Sie sind von Helden so weit entfernt wie Tag und Nacht. Sie sind keine Helden, sie sind Drecksäcke.» McQuaid lehnte einen Rücktritt bereits am Montag ab. Er will nächstes Jahr wieder als Präsident kandidieren.

(L'essentiel Online/heg/mlu)

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