Provokant – Arzt rät, dass man im Bus nicht für Ältere aufsteht

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ProvokantArzt rät, dass man im Bus nicht für Ältere aufsteht

Ein britischer Arzt stellt eine gewagte These auf: Wenn man älteren Leuten im Bus seinen Platz anbiete, schade man deren Gesundheit.

Oxford-Professor Sir Muir Gray ist überzeugt, dass sich viele Krankheiten und Beschwerden wie zum Beispiel Diabetes 2 vermeiden lassen, wenn man sich genügend bewegt. Verschaffe man älteren Leuten die Möglichkeit, sich körperlich zu betätigen, wirke sich das deshalb positiv auf die kontinuierlich wachsenden Pflegekosten aus, schreiben Muir und seine Mitautoren im «British Medical Journal».

Daher sollten Senioren versuchen, pro Tag mindestens 10 bis 20 Minuten zu laufen. Muir nimmt auch die Verwandten in die Pflicht. Sie sollen ältere Familienmitglieder dazu anhalten, die Treppe statt den Lift zu nehmen und die Einkäufe heimzutragen, falls sie dazu noch imstande sind.

Mut zur Bewegung

Er sagte im British Medical Journal: «Wir müssen beim Älterwerden Mut zur Bewegung machen – nicht den Menschen erzählen, sie sollen die Füße hochlegen.» Deshalb solle man seinen Eltern keinen Treppenlift kaufen, sondern ein zweites Geländer installieren.

Und auch für die jüngeren Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel hat Muir einen Rat, wie The Sun schreibt: «Überlegen Sie zweimal, bevor sie Ihren Platz im Bus oder Zug einer älteren Person anbieten. Stehen ist ein hervorragendes Training für sie.» Demnach solle man nur aufstehen, wenn die Person wirklich Probleme beim Stehen habe.

Achtung: Sturzrisiko

Scarlett McNally, Orthopädin am Eastbourne District General HoKrankenhaus und Co-Autorin der Studie, ergänzt: «Wir müssen die Einstellung ablegen, dass sich ältere Leute ausruhen sollten. Die Menschen sollen aktiv sein, egal wie alt sie sind.» Jeder Einzelne habe es selbst in der Hand, den Bedarf nach Pflege im Alter zu reduzieren.

Diese Erkenntnis teilt man auch hierzulande bei Pro Senectute: «Ältere Menschen, die sich regelmäßig bewegen, bleiben länger mobil und autonom.» Judith Bucher, Medienverantwortliche, gibt jedoch zu bedenken: «Das Training von Kraft und Gleichgewicht ist sinnvoll, aber nicht im ÖV. Das Sturzrisiko ist zu hoch. Unser Tipp für Alt und Jung: Seien Sie freundlich im Alltag.»

(L'essentiel/jcg)

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