Ermittlungen in Frankreich – Arzt wollte Röntgen von Bataclan-Opfer versteigern
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Ermittlungen in FrankreichArzt wollte Röntgen von Bataclan-Opfer versteigern

Der renommierte Chirurg Emmanuel Masmejean bot ein Röntgenbild einer Frau, die beim Bataclan-Attentat verletzt wurde, im Internet als NFT zum Kauf an.

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Dieses Bild sorgt in Frankreich für Ärger: Der renommierte Chirurg Emmanuel Masmejean bot die Röntgenaufnahme einer Überlebenden des Terroranschlags im Pariser Konzertsaal Bataclan als NFT im Netz an.

Dieses Bild sorgt in Frankreich für Ärger: Der renommierte Chirurg Emmanuel Masmejean bot die Röntgenaufnahme einer Überlebenden des Terroranschlags im Pariser Konzertsaal Bataclan als NFT im Netz an.

Screenshot OpenSea
Am 25. Januar 2022 kündigte die Pariser Staatsanwaltschaft an, Untersuchungen gegen Masmejean wegen des Verdachts auf Verletzung des Berufsgeheimnisses eingeleitet zu haben.

Am 25. Januar 2022 kündigte die Pariser Staatsanwaltschaft an, Untersuchungen gegen Masmejean wegen des Verdachts auf Verletzung des Berufsgeheimnisses eingeleitet zu haben.

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Bei der Anschlagsserie am 13. November 2015 hatten Extremisten insgesamt 130 Menschen getötet und 350 weitere verletzt. Sie richteten ein Massaker im Konzertsaal Bataclan an und attackierten Bars und Restaurants in ganz Paris.

Bei der Anschlagsserie am 13. November 2015 hatten Extremisten insgesamt 130 Menschen getötet und 350 weitere verletzt. Sie richteten ein Massaker im Konzertsaal Bataclan an und attackierten Bars und Restaurants in ganz Paris.

LMS

Der französische Chirurg Emmanuel Masmejean hat Ärger mit der Justiz: Wie die Pariser Staatsanwaltschaft am Dienstag ankündigte, seien Untersuchungen gegen den Mediziner wegen des Verdachts auf Verletzung des Berufsgeheimnisses gestartet worden. Der renommierte Traumatologe hatte vor wenigen Tagen die Röntgenaufnahme einer Überlebenden des Terroranschlags auf die Pariser Konzerthalle Bataclan im Internet als NFT, ein sogenanntes Non-Fungible Token, zum Verkauf angeboten.

Von Opferverbänden hagelte es scharfe Kritik an dem Chirurgen. Auch Masmejeans Arbeitskollegen sowie die Patientin selbst sind äußerst empört darüber. Der Chef des Pariser Krankenhausverbandes, Martin Hirsch, sprach in einer Mitteilung an die Belegschaft von einer «skandalösen Tat». Auch er kündigte auf Twitter an, rechtliche Schritte einzuleiten.

«Auf Instagram und Facebook gibt es Tausende von Röntgenbildern»

Das Röntgenbild zeigt den durchschossenen Unterarm der verletzten Frau. Masmejean hatte in jener Nacht vom 13. November 2015 die offene Fraktur des linken Unterarms behandelt, in der noch eine Kalaschnikow-Kugel in den Weichteilen steckte. Der angesehene Arzt hatte damals im Krankenhaus Georges-Pompidou vier weitere Frauen, die beim Anschlag verletzt worden waren, operiert.

Nun hatte er entschieden, diese eine Röntgenaufnahme auf der für digitale Kunstwerke spezialisierten Plattform «OpenSea» zu versteigern. Die junge Patientin hatte er laut dem Nachrichtenportal «Mediapart» nicht um Erlaubnis gebeten.

Masmejean verwies zunächst auf pädagogische Beweggründe. «Auf Instagram und Facebook gibt es Tausende von Röntgenbildern der öffentlichen Fürsorge. Es gibt Tausende von Patientenfotos, Tausende. Geben Sie irgendeinen Namen eines Arztes, eines spezialisierten Chirurgen ein - es sind Tausende. Und wenn man eine wissenschaftliche Veröffentlichung verfasst, fragt man nie die öffentliche Fürsorge nach ihrer Meinung, man schickt sie an die Zeitschrift und es gehört der Zeitschrift», zitiert 20 Minutes den Chirurgen.

Inzwischen sieht er seinen Fehler ein

Nach dem Aufruhr, den sein Vorhaben generierte, zog er jedoch das Angebot zurück. Inzwischen sehe er den «Fehler» ein, die Patientin nicht um Erlaubnis gebeten zu haben. Das Bild, das zur Illustration des Auktionsangebots auf «OpenSea» angezeigt wurde, war bis am Sonntag abrufbar gewesen. Der Preis für die Aufnahme war auf 2776 Dollar angesetzt worden und in dem Angebot war zu lesen: «Diese junge Patientin, die bei dem Angriff ihren Freund verloren hat, hatte eine offene Fraktur des linken Unterarms mit einer verbliebenen Kalaschnikow-Kugel im Weichgewebe».

Die Anwältin der Frau sagte, sie sei «extrem schockiert» über das, was der Arzt getan habe. «Er hielt es für eine gute Idee, das Privatleben dieser jungen Frau zu beschreiben und sie so vollkommen identifizierbar zu machen», heißt es in einer Erklärung, die der Nachrichtenagentur AFP übermittelt wurde und der BBC vorliegt. Die Patientin wolle anonym bleiben.Islamistische Angreifer hatten am 13. November 2015 im Konzertsaal Bataclan, vor Cafés und Restaurants und nahe einem Fußballstadion in der französischen Hauptstadt 130 Menschen getötet. Allein im Bataclan starben 90 Menschen.

(L'essentiel/Karin Leuthold)

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