Krieg in Syrien – Assad versteckt sich anscheinend in Latakia

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Krieg in SyrienAssad versteckt sich anscheinend in Latakia

Syrische Rebellen sind sich sicher: Präsident Assad hat das Land nicht verlassen. Er sei aber in die Hafenstadt Latakia geflüchtet. Indessen gehen die Kämpfe in Damaskus weiter.

Alleine in Damaskus sollen am 18. Juli 2012 38 Menschen getötet worden sein.

Alleine in Damaskus sollen am 18. Juli 2012 38 Menschen getötet worden sein.

Keystone

Der syrische Präsident Baschar al-Assad hält sich nach Angaben aus Kreisen der Opposition weiter im Lande auf. Assad sei in Latakia am Mittelmeer, wo er die Reaktion auf den Anschlag gegen seine engsten Mitarbeiter aus dem Sicherheitsapparat steuere, hieß es am Donnerstag bei Regierungsgegnern und einem westlichen Diplomaten.

Seit dem Attentat, bei dem ein Schwager Assads, der Verteidigungsminister und ein General getötet worden waren, ist der Staatschef nicht öffentlich aufgetreten. Syrische Aktivisten hatten am Mittwoch berichtet, das Flugzeug von Assad sei vom Flughafen Messe in Damaskus aus gestartet.

Sie beriefen sich dabei auf Offiziere auf dem Militärflughafen. Über die Passagiere an Bord und das Ziel der Maschine machten sie keine Angaben. Unklar ist auch, ob Assad vor oder nach dem Attentat nach Latakia reiste.

Über 124 Zivilisten getötet

Derweil geht das Töten im Land weiter: Nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind am Mittwoch mehr als 200 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien mindestens 124 Zivilisten, teilte die Aktivistengruppe am Donnerstag mit.

Für die Hauptstadt Damaskus, die seit fünf Tagen von Kämpfen erschüttert wird, gab die Beobachtungsstelle die Zahl der Todesopfer mit 38 an. Dabei berücksichtigte sie nach eigenen Angaben nicht die drei Vertreter der syrischen Führung, die am Mittwoch bei einem Selbstmordanschlag in Damaskus getötet worden waren.

Mit dem Anschlag auf das Gebäude der Nationalen Sicherheit hatte die Revolte in Syrien erstmals seit ihrem Beginn im März 2011 das Machtzentrum um Präsident Baschar al-Assad schwer getroffen. Dabei wurden der Verteidigungsminister Daud Radschha und sein Stellvertreter Assef Schaukat, ein Schwager des Präsidenten, sowie der Leiter der zentralen Krisenstelle, Hassan Turkmani, getötet.

Neuer Resolutionsentwurf

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Selbstmordanschlag auf Vertreter der syrischen Führung in der Hauptstadt Damaskus «entschieden» verurteilt. Ein Sprecher erklärte am Mittwoch, das Attentat zeige «die unbedingte Notwendigkeit» eines Waffenstillstands in Syrien. Zugleich zeigte sich Ban «sehr besorgt» über den Einsatz schwerer Waffen in Damaskus durch die syrische Armee.

Im UNO-Sicherheitsrat soll am heutigen Donnerstag über einen neuen Resolutionsentwurf zum Syrien-Konflikt abgestimmt werden. Der von Großbritannien, den USA, Frankreich, Deutschland und Portugal eingebrachte Vorschlag sieht neue Zwangsmaßnahmen vor, sollte sich die syrische Führung nicht an den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan halten. Russland will die Annahme der Resolution notfalls mit seinem Veto verhindern.

Differenzen zwischen Russland und den USA

Der russische Staatschef Wladimir Putin und US-Präsident Barack Obama versicherten einander am späten Mittwoch in einem Telefonat nach Angaben des Weißen Hauses ihren Willen zur Zusammenarbeit. Der Kreml verwies zugleich jedoch darauf, dass es weiterhin «Differenzen» zwischen den Regierungen in Washington und Moskau gebe. Die Verlängerung des Mandats der rund 300 unbewaffneten UNO- Beobachter in Syrien, deren Mandat am Freitag ausläuft, unterstützt Russland.

(L'essentiel Online/sda)

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