#GeorgeFloyd – «Auch in Luxemburg gibt es Rassismus»
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#GeorgeFloyd«Auch in Luxemburg gibt es Rassismus»

LUXEMBURG – Die Demonstrations-Welle in den USA hat das Tabuthema in Luxemburg wieder in den Vordergrund gerückt. Auch hier leidet die schwarze Bevölkerung.

Sandrine Gashonga ist die Präsidentin der Vereinigung Lëtz Rise Up.

Sandrine Gashonga ist die Präsidentin der Vereinigung Lëtz Rise Up.

Editpress/Hervé Montaigu

Wie Millionen von Menschen auf der ganzen Welt hat sich Sandrine Gashonga dafür entschieden, ein schwarzes Bild als Profilbild in den sozialen Netzwerken einzustellen. Die Präsidentin des luxemburgischen Vereins Lëtz Rise Up wird am Freitag um 14 Uhr vor der amerikanischen Botschaft eine Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt anführen, etwas mehr als zehn Tage nach dem Tod von George Floyd.

«Ich konnte mir diese Bilder, die die Szenen aus der Zeit der Sklaverei und Rassentrennung widerspiegeln, nicht ansehen. Es war ein echter Schock», kommentiert Gashonga das Video, das um die Welt ging. «Es wurde offensichtlich, dass wir etwas tun mussten», sagt auch Jennifer Holding, ein Mitglied von Lëtz Rise Up.

Probleme vor allem bei der Wohnungssuche

«Auch in Luxemburg gibt es Rassismus», so Gashonga. Die Manifestation dieses Rassismus findet sich jedoch nicht in Polizeigewalt, «die trotz der anhaltenden rassistischen Profilerstellung nicht so schwerwiegend ist», sondern vor allem im Zugang zu Wohnraum.

«Wenn ich eine Wohnung suche, versuche ich immer, von einer weißen Person begleitet zu werden», berichtet Sandrine Gashonga, die außerdem Probleme im Bildungsbereich erwähnt. Wie viele Kinder ausländischer Herkunft sind Studenten afrikanischer Herkunft «viel stärker auf technische Fächer ausgerichtet als auf traditionelle Fächer».

«Luxemburg kämpft mit seiner kolonialen Vergangenheit»

Offizielle Statistiken gibt es nicht, aber rund 10.000 Menschen in Luxemburg würden sich als «schwarz» bezeichnen, also etwa 1,6 Prozent der Bevölkerung des Landes. Laut der Studie «Being Black in the EU» hat mehr als die Hälfte der luxemburgischen Einwohner afrikanischer Herkunft in den letzten fünf Jahren hier Rassismus erlebt. Integrationsministerin Corinne Cahen (DP) sagte damals, dass sie «diese Ergebnisse sehr ernst nimmt». Doch Sandrine Gashonga glaubt, dass «der Staat nichts dagegen unternimmt».

«Luxemburg hat neben Belgien auch große Probleme mit seiner kolonialen Vergangenheit», so die junge Frau. Die Tatsache, dass sich die schwarze Bevölkerung des Großherzogtums so «traurig und wütend» wegen einer Tragödie fühle, die sich 7000 Kilometer entfernt ereignet hat, sei nicht nur eine Frage der internationalen Empörung. «Die Betroffenen wissen, dass schwarz sein nicht die gleichen Folgen hat wie weiß sein. Das betrifft auch Luxemburg.»

(Thomas Holzer/L'essentiel)

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