Online-Betrüger – Auch Liebe 2.0 macht blind - und arm

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Online-BetrügerAuch Liebe 2.0 macht blind - und arm

Wer im Internet von Gaunern abgezockt wird, ärgert sich. Sind auch noch Gefühle mit im Spiel, kann eine solche Erfahrung zu einem Trauma führen.

Gefühle im Internet: Viele wissen nicht, wem sie ihr Herz anvertrauen. (Bild: Colourbox)

Gefühle im Internet: Viele wissen nicht, wem sie ihr Herz anvertrauen. (Bild: Colourbox)

Einen Menschen via Internet finanziell zu prellen, ist fies. Doch dies auch noch in Kombination mit vorgegaukelten Gefühlen zu tun... für diese Art von Fiesheit haben wir nicht einmal einen Begriff.

Die Täter gehen perfide vor: Sie schmeicheln sich auf Flirt-Portalen mit falschen Fotos und erfundenen Identitäten bewusst in die Herzen ihrer Opfer. Diese lassen sich auf das virtuelle Gegenüber ein und geben tiefe Einblicke in ihre Gefühlswelt. Hält der Gauner die Verbindung für gefestigt genug, stellt er - meist unter dem Vorwand einer herzzerreißenden Geschichte - unverschämte finanzielle Forderungen. Die Palette der erfundenen Notsituationen reicht von der todkranken Mutter, der man dringend eine Therapie bezahlen müsse, bis hin zu einer Geldspritze fürs gemeinsam geplante Eigenheim.

Geld weg, Liebe weg

Welche psychischen Auswirkungen ein solcher Vertrauensbruch für den Getäuschten haben kann, wollten jetzt Wissenschaftler der University of Leicester unter der Leitung der Psychologie-Professorin Monica Whitty herausfinden. Für ihre Teilstudie interviewten die Forscher zunächst elf weibliche und vier männliche Opfer eines derartigen Online-Betruges. Dabei befragten sie die Betrogenen unter anderem zu früheren Partnerschaften, in welcher psychischen Verfassung sie sich vor dem Betrug befanden, dem genauen Hergang der Täuschung und den Gründen, warum man sie um Geld gebeten hatte.

Abzocke mittels Marketing-Strategie

Zudem waren sie angehalten, Angaben zu Ereignissen zu machen, die sich nach dem Betrug ereignet hatten. So mussten sie zum Beispiel berichten, wie die Polizei mit der Tat umging, inwiefern sie der Vorfall psychisch beeinflusste, beziehungsweise in welcher seelischen Verfassung sie sich zur Zeit des Interviews befanden.

Die Wissenschaftler fanden auf diese Weise heraus, dass sich die Gauner offenbar Techniken bedienten, die aus dem Marketing bekannt sind: Sie gaben dem Chatpartner das Gefühl, es ernst mit ihm zu meinen. «Unsere Erkenntnisse bestätigen, dass die Dunkelziffer der Opfer dieser relativ neuen Art von kriminellen Vergehen deutlich höher ist, als bisher angenommen», wird Monika Whitty von MedicalNewsToday.com zitiert.

Die Forscher konnten mit ihrer am Donnerstag bei der British Psychological Society Annual Conference vorgestellten Studie zeigen, dass nicht nur der finanzielle Nepp Spuren bei den Betroffenen hinterlässt: «Diese Art von Trauma - eine Verbindung zwischen Geldbetrug und emotionalem Missbrauch - ist besonders fatal für den Betrogenen, denn es trifft das Opfer gleich zweimal.»

(L'essentiel Online/rre)

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