Gestrandet in den USA – «Auf der Schueberfouer ist mehr los als hier»

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Gestrandet in den USA«Auf der Schueberfouer ist mehr los als hier»

LUXEMBURG - Hurrikan «Irene» hat die US-Küste weniger hart getroffen als befürchtet. Der Flugverkehr liegt aber lahm. «L’essentiel» hat mit einem Luxemburger gesprochen, der in Washington festsitzt.

Eigentlich sollten sie bereits zu Hause sein und an diesem Montag ihre Arbeit aufnehmen. Doch Patrick Reisdorff sitzt mit seiner Frau und der 17-jährigen Tochter immer noch in Washington fest. Der Hurrikan «Irene» hatte seit Samstagfrüh (Ortszeit) weite Teile der Ostküste mit starken Böen und Überschwemmungen heimgesucht. Tausende Flüge fielen aus.

Auch der Flug von Patrick Reisdorff nach Luxemburg wurde gestrichen. «Unsere Arbeitgeber wissen Bescheid. Es ist das erste Mal, dass wir festsitzen. Im vergangenen Jahr waren wir dem Chaos wegen des Vulkanausbruchs in Island drei Tage vorher entkommen», berichtet Reisdorff im Gespräch mit L’essentiel.

«Es passiert derzeit mehr auf der Schueberfouer in Luxemburg als hier»

Doch der Luxemburger scheint wegen des Unwetters in den Vereinigten Staaten nicht aufgeregt zu sein: Als ein kleines Erdbeben in den USA passierte, war er auf dem Weg von Atlantic City nach Washington. «Wir haben aber nichts gespürt. Offenbar passiert derzeit mehr auf der Schueberfouer in Luxemburg, als hier», sagt der gestrandete Luxemburger schmunzelnd.

In ihrem Hotelzimmer verfolgen die Reisdorffs im Fernsehen die neusten Entwicklungen zum Hurrikan «Irene». «Anscheinend ist es selbst in New York nicht so schlimm, wie es die Autoritäten befürchtet haben.»

Viele Häuser und Wohnungen im Big Apple wurden aber überflutet: «Den Fernsehbildern nach steht das Wasser im Süden von Manhattan 40 Zentimeter hoch. Hier in der Hauptstadt ist es ruhig. Die Sonnenstrahlen beginnen sogar die Nasenspitze zu kitzeln und bis Mittwoch wird mildes Wetter gemeldet.» Reisdorff hofft, dass er mit seiner Familie am Mittwoch Richtung Luxemburg abheben kann.

L'essentiel Online mit Patrick Théry

21 Tote und ein blaues Auge

Der Tropensturm «Irene» hat am Wochenende an der US-Ostküste massiv an Wucht verloren. Allerdings waren in acht US-Staaten bislang mindestens 21 Todesopfer zu beklagen. Rund viereinhalb Millionen Haushalte waren ohne Strom, vielerorts gab es schwere Überschwemmungen.

In New York und anderen Städten lief das Leben langsam wieder an und der Verkehr begann, sich zu normalisieren. Am Montag sollten Behörden, Geschäfte und Museen wieder öffnen. Bürgermeister Michael Bloomberg hob eine Evakuierungsanordnung für 370 000 Bewohner der niedrig gelegenen Gebiete wieder auf. U-Bahnen und Busse in New York fahren wieder, die Straßen sind längst wieder geöffnet. Auch die Fluggesellschaften wollten am Montag zum normalen Flugplan zurückkehren.

Ungeachtet dessen rief US-Präsident Barack Obama die Bürger auf, die Gefahr nicht zu unterschätzen. «Es ist noch nicht vorbei», erklärte er am Sonntag in Washington.

Die größten Sorgen bereiteten die Überflutungen in vielen Bundesstaaten und die massenhaften Stromausfälle. «Ich will unterstreichen, dass die Auswirkungen des Sturms noch für einige Zeit zu spüren sein werden. Die Erholung kann Wochen dauern», sagte er.

«Irene» in Kanada

Der deutlich abgeschwächte Tropensturm «Irene» nahm unterdessen Kurs auf die kanadische Grenze. In den am Atlantik gelegenen kanadischen Provinzen und im Südosten von Québec kündigte sich der Sturm mit heftigen Winden und Regenfällen an und führte zu Stromausfall in etwa 200 000 Haushalten.

Der Minister für öffentliche Sicherheit von Québec, Robert Dutil, warnte vor dem «enormen Sturm», der Experten zufolge Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern erreichen könnte. Er forderte die Bevölkerung auf, Vorbereitungen dafür zu treffen, 24, 48 oder sogar 72 Stunden zu Hause bleiben zu können.

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