Hermès setzt schon drauf – Aus diesem Pilz entsteht Luxusleder ohne Tierleid
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Hermès setzt schon draufAus diesem Pilz entsteht Luxusleder ohne Tierleid

Eine Firma aus Kalifornien hat ein Leder aus Pilzen entwickelt, das sich genau wie Kalbs- oder Schafsleder anfühlen soll. Die Alternative soll die Modeindustrie aufrütteln.

Aus diesen weißen Fäden entsteht das Luxusleder der nächsten Generation.

Aus diesen weißen Fäden entsteht das Luxusleder der nächsten Generation.

Instagram/mycoworks

Der weiße Film, der sich zum Beispiel auf Käse wie Camembert befindet, heißt Mycel und bezeichnet die fadenförmigen Zellen eines Pilzes. Aus ebendiesen weißen Fäden stellt das US-Unternehmen MycoWorks nun Luxusleder her. Fine Mycelium heißt das Material, das aus den Pilzen entsteht – es sieht aus wie Kalbs- oder Schafsleder und fühlt sich auch genauso an. Mit dem Pilzleder will die kalifornische Firma die Modeindustrie revolutionieren.

«Rindsleder verursacht aufgrund der Abholzung der Wälder und den mit der Tierhaltung verbundenen Gasemissionen mehr Umweltschäden als jedes andere Material, einschließlich Kunstleder auf Kunststoffbasis», zitiert der «Guardian» den «Higg Material Sustainability Index». Leder schadet also nicht nur dem Tierwohl, sondern auch der Umwelt. Mit Pilzleder will MycoWorks eine nachhaltige Alternative zum tierischen Produkt kreieren.

Leder vom Tablett

Das Leder aus Pilzsporen wächst innerhalb weniger Wochen in einem Tablett und soll sogar eine bessere Lebensdauer und Stärke haben als echtes Leder.

Im Mai dieses Jahres hatte das Leder, dessen Herstellungsverfahren bereits patentiert ist, sein Debüt in der High Fashion: Sylvania, wie die Firma eine Art des Pilzleders nennt, wurde verwendet, um die Victoria-Reisetasche von Hermès herzustellen:

«Wir arbeiten in erster Linie mit Luxusbrands zusammen, weil sie in Sachen Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle spielen», sagt Dr. Matt Scullin, CEO von MykoWorks zum «Guardian». Doch auch Partnerschaften mit Streetwear-Marken seien für die Zukunft auf dem Firmenradar.

Was das Material nebst der Herstellung so besonders macht, ist dessen Entsorgung: Das Pilzleder ist im Gegensatz zu Kunstleder aus Plastik-Polymeren biologisch abbaubar. Da bei Fine Mycelium auch die Größe des Leders vorab bestimmt werden kann, entstehen bei dessen Produktion auch kaum Abfälle. Für das nachhaltige Leder setzen sich sogar Stars wie Natalie Portman und John Legend ein, die sich bereits an der Finanzierung des Produkts beteiligten.

Vegane Alternativen in der Mode

Alternativen zu Leder kommen in der Modebranche je länger je mehr zum Tragen. Auch die Käuferinnen und Käufer suchen danach: Wie es im Jahresreport von Lyst heißt, haben die Suchanfragen nach «veganes Leder» vergangenes Jahr um fast 70 Prozent zugenommen.

Nebst Brands wie Stella McCartney, die seit der Gründung noch nie tierische Produkte verwendet haben, experimentierte auch Bottega Veneta schon früh mit Lederalternativen. Bereits 2012 zeigte das italienische Modehaus Taschen aus Naoron, einer Art Papier, das aus der Rinde des Maulbeerbaums hergestellt wird. Diese Idee nahm der Brand vergangenes Jahr mit der Kraft Pouch, einer Tasche, die aus recycelter Wellpappe besteht, wieder auf:

Auch Chanel gehört zu den Luxusmarken, die in ihrer Kollektion bereits ein Stück aus veganem Leder zeigten. 2018 präsentierten sie in ihrer Métier d’Art Show einen goldenen Hut aus Piñatex, einem Leder aus Ananasfasern:

Noch weiter gehen die Bestrebungen von Kering. Die französische Luxusgruppe, zu der nebst Bottega Veneta auch Gucci, Saint Laurent, Balenciaga und Alexander McQueen gehören, hat sich vergangenes Jahr, wie auch Firmen wie Adidas und Stella McCartney, mit Bolt Threads zusammengetan. Bolt Threads arbeitet ebenfalls mit Pilzleder. Mit dem Zusammenschluss sichern sich Unternehmen wie Kering so exklusiven Zugang zu «Mylo», einem weiteren Leder aus Mycel.

Nicht nur im Luxussegment ist veganes Leder ein Thema. Auch Fast Fashion Anbieter wie H&M bieten Stücke aus Lederalternativen an. In der neusten Kollektion mit Peta zeigte H&M Kleidungsstücke aus Vegea, einem Leder, das aus der Haut, den Stielen und den Kernen von Trauben produziert wird.

(L'essentiel/Johanna Senn)

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