Zigaretten – Australien ersetzt Logos durch Horrorbilder

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ZigarettenAustralien ersetzt Logos durch Horrorbilder

Ekel-Attacke auf Australiens Raucher: Statt des Logos der Tabak-Marke sollen bald verfaulte Zähne und erkrankte Lungen zu sehen sein.

In Australien sollen bald Ekel-Bilder Logos der Tabak-Marke ersetzen.

In Australien sollen bald Ekel-Bilder Logos der Tabak-Marke ersetzen.

DPA

So schnell kann es gehen: Vor ziemlich genau einem Jahr hat die australische Regierung beschlossen, dass Zigaretten ab Mitte 2012 nur noch in neutralen Päckchen verkauft werden dürfen. Einzig ein einheitlich gesetzter Namenszug sollte erlaubt bleiben. Nun gehen die Australier noch weiter: Einem Gesetzesentwurf zufolge werden statt der Logos nun großflächige Ekel-Bilder ins Zentrum gerückt.

Geschwüre und Warnungen bedecken dann insgesamt 75 Prozent der Vorderseite und 90 Prozent der Rückseite, hat das Wall Street Journal herausgefunden. Zudem ist rigoros vorgegeben, wie Logo, Markenname, Farbe und Werbetexte auszusehen haben. Die australische Gesundheitsministerin Nicola Roxon erklärte, die geplanten Extra-Vorschriften dienten dazu, dass die Bevölkerung keine positiven Assoziationen mit dem Rauchen mehr herstelle.

Grabenkampf ist programmiert

Mit den neusten Bestrebungen stellt sich Australien an die vorderste Front des Grabenkampfs mit der Tabakindustrie. Die grossen Konzerne haben bereits angekündigt, dass sie juristisch gegen die Regierung vorgehen wollen. Roxon erwartet denn auch, dass die Tabakriesen die Schritte der australischen Regierung «mit Zähnen und Klauen» bekämpfen werden.

Auch unter den Detailhändlern formiert sich immer stärkerer Widerstand. Sie befürchten, dass die Wartezeiten an den Kassen stark steigen dürften, weil die Verkäufer die gesuchte Marke nicht auf Anhieb finden. Die Ministerin aber gibt sich siegessicher: «Zigarettenschachteln werden bald nur noch den Tod und die Krankheiten zeigen, die das Rauchen verursacht», sagte sie gegenüber dem Wall Street Journal.

Ähnliche Tendenzen in Europa

Auch in Europa sind Zigi-Päckli nach australischem Vorbild bei weitem nicht undenkbar. So ist die Tabak-Expertengruppe der EU-Kommission im vergangenen August zum Schluss gekommen, dass neutrale Schachteln auch in ihrem Hoheitsgebiet sinnvoll wären – inklusive Ekel-Bilder und Warnhinweise, versteht sich.

Die Kommissare argumentierten damals ähnlich wie Roxon: Die farbig gestalteten Päckchen führten dazu, dass die Warnhinweise, etwa der Klassiker «Rauchen ist tödlich», weniger wahrgenommen würden. Die Sachverständigen verwiesen zudem auf Studien, wonach Raucher bei Zigarettenpäckchen in helleren Farben auf einen niedrigeren Teeranteil und weniger gesundheitliche Risiken schlössen.

Derzeit ist allerdings immer noch unklar, ob die EU-Kommission den Empfehlungen ihrer Expertengruppe folgen wird. Zunächst werde sie die Tabaklobby und Verbraucherorganisationen um Stellungnahmen bitten. Mit einem allfälligen Gesetzesvorschlag sei dann Ende dieses Jahres zu rechnen.

Weltweiter Kampf gegen den Tabak

Etwas weiter ist man schon in Großbritannien. Dort will die Regierung den Verkäufern verbieten, dass diese Zigarettenschachteln offen auslegen. Wer also Zigaretten kaufen will, muss dann beispielsweise eine Schublade öffnen.

In den USA will das Justizdepartement durchsetzen, dass die Tabakkonzerne auf ihren Päckchen schreiben müssen, dass sie die Öffentlichkeit bezüglich der Gefahren des Rauchens absichtlich in die Irre führt. Auch sollten sie auf dieselbe Weise zugeben, dass sie ihre Zigaretten manipulieren, damit diese schneller und schwerer abhängig machen.

Bald auch in Luxemburg?

Die Ende März veröffentlichte Studie der Europäischen Vereinigung der Krebsligen hat die Diskussion um Tabakkonsum und das Rauchverbot in Luxemburg angeheizt. Sie platzierte das Großherzogtum an drittletzten Platz unter 31 Ländern in Europa mit Blick auf Maßnahmen gegen Zigaretten. Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo kündigte anschließend 2012 als Jahr des Kampfs gegen Rauchen. Demnach soll im nächsten jahr auch das Rauchen in Bars und Diskothelen verboten werden. Marie-Paule Prost, Direktorin der luxemburgischen Fondation Cancer, wies im Rahmen der Diskussion darauf hin, dass die Ekelbider auf Zigarettenschachten in Luxemburg nicht obligatorisch sind.

(L'essentiel online mit ahi)

Die Weltgesundheitsorganisation WHO unterstützt die Pläne Australiens. Die UNO-Institution schätzt, dass pro Jahr fünf Millionen Menschen an Erkrankungen sterben, die mit dem Rauchen in Verbindung gebracht werden. Die Zahl der Opfer werde bis 2030 voraussichtlich auf neun Millionen steigen.

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