Luxemburg: Autofahrer erschossen – Prozess gegen ehemaligen Polizisten gestartet

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LuxemburgAutofahrer erschossen – Prozess gegen ehemaligen Polizisten gestartet

LUXEMBURG – Am 11. April 2018 hatte ein Polizist in Bonneweg einen Autofahrer mit einem Kopfschuss getötet. Der Prozess hat am Dienstag begonnen.

Es ist etwa 16 Uhr, als die Besucher einer Terrasse sehen, wie ein Auto mit luxemburgischem Kennzeichen aus der Rue des Ardennes kommt und dann frontal gegen einen Baum auf dem Place Léon XIII prallt. Es fallen Schüsse, laut Augenzeugen drei Stück. Ein Polizist tötet den Autofahrer mit einem Kopfschuss, weil dieser offenbar mit dem Wagen auf ihn zufährt.

Die Geschehnisse gehen zurück auf dem 11. April 2018, im Herzen des Hauptstadtviertels Bonneweg. Lange Ermittlungen folgten. In den Tagen nach dem Tod wurde bekannt, dass es sich bei dem Getöteten um einen 51-jährigen Niederländer handelte. Er lebte in Deutschland und war den Behörden wegen mehrerer Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung in Luxemburg bekannt, zum Zeitpunkt der Tat hatte er keine Fahrerlaubnis. Zeugen berichteten damals, beobachtet zu haben, dass der Mann vor einer Polizeikontrolle habe fliehen wollen. Im Raum stand, ob der Polizist in Notwehr gehandelt hatte, die Generalinspektion der Polizei wurde mit den Ermittlungen beauftragt.

Schüsse die einzig mögliche Reaktion?

Aus den seit der Tat gesammelten Informationen geht hervor, dass der damals 22-jährige Polizist dem Fahrer ein Zeichen gegeben hatte, sein Auto anzuhalten. Der Fahrer soll so getan haben, als würde er dem Befehl Folge leisten, dann zurückgesetzt haben und auf den Polizisten zugefahren sein, so die Auswertung der Reifenspuren auf dem Boden. Experten sagten am Dienstagmorgen im Zeugenstand aus, dass das Auto schnell auf das Polizeifahrzeug zugefahren sei, was die These der Selbstverteidigung stützen würde. Ob die Schüsse die einzig mögliche Reaktion waren, soll der Prozess gegen den ehemaligen Polizisten klären, der am heutigen Dienstag begonnen hat.

Die kommenden drei Wochen muss sich der Angeklagte wegen «vorsätzlicher Tötung» vor Gericht verantworten. Zu Beginn der Verhandlung sagte er aus, es sei «notwendig» gewesen zu schießen, er habe aber nicht die Absicht gehabt, den Mann zu töten. Das luxemburgische Gesetz sieht vor, dass der Polizist seine Waffe nur «als letztes Mittel» oder in einem Fall «absoluter Notwendigkeit» einsetzen darf. Das Verfahren gegen den Polizisten, der am 31. Juli 2021 in Ettelbrück einen Mann erschossen hat, der ihn mit einem Messer bedroht hatte, wurde mit dieser Begründung im Januar 2022 eingestellt.

(jw)

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