Nahost-Konflikt – Baggerfahrer als Terrorist - ein Toter in Jerusalem

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Nahost-KonfliktBaggerfahrer als Terrorist - ein Toter in Jerusalem

Im Schatten des Gaza-Kriegs erlebt Jerusalem Augenblicke des Schreckens. Ein palästinensischer Baggerfahrer rammt sein Fahrzeug in einen Bus. Ein Passant stirbt.

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Erstmals seit Beginn des Gaza-Kriegs vor vier Wochen ist in Israel ein tödlicher Anschlag mit einem Baufahrzeug verübt worden. Der palästinensische Attentäter rammte in Jerusalem mit seinem Bagger einen städtischen Autobus, der umstürzte. Ein Passant, den der Bagger überfuhr, wurde getötet.

Sechs Insassen des Busses, unter ihnen der Fahrer, erlitten Verletzungen, bestätigte der israelische Polizeisprecher Micky Rosenfeld am Montag. Herbeigeeilte Polizisten erschossen den Attentäter, einen Palästinenser aus Ost-Jerusalem. Die israelische Nachrichtenseite ynet schrieb von «Terror vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs».

Kämpfe gehen weiter

Eine einseitige Waffenruhe, die Israel am Montag für die Zeit zwischen 09.00 Uhr und 16.00 Uhr (MESZ) erklärt hatte, erwies sich als brüchig. Beim israelischen Beschuss des Schati-Flüchtlingslagers sei ein achtjähriges Mädchen getötet worden, teilte ein Sprecher des palästinensischen Gesundheitsministeriums mit.

Auch das Lager Nuseirat sei von der israelischen Armee beschossen worden. Die israelische Armee wies darauf hin, dass militante Palästinenser aus dem Gazastreifen während der Waffenruhe mindestens 23 Geschosse auf Israel abfeuerten.

Israels Premier Benjamin Netanjahu zerstreute indes Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Militäroffensive gegen die Hamas: «Diese Operation wird erst enden, wenn für einen dauerhaften Zeitraum Ruhe und Sicherheit für Israels Bürger hergestellt wird.» Die Armee kündigte weitere Luftangriffe an.

Über 1800 Palästinenser getötet

Im bisher verlustreichsten und am längsten andauernden Gaza-Krieg wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums bislang 1838 Palästinenser getötet und rund 9500 verletzt, rund zwei Drittel davon Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und drei Zivilisten.

Hamas feiert Anschlag als «heroischen Akt»

Die radikal-islamische Hamas hatte sich am Montag an die einseitig erklärte Feuerpause nicht gebunden gefühlt. Ihr Sprecher Sami Abu Suhri erklärte, Israel wolle damit nur «von seinen Massakern ablenken». Den Anschlag in Jerusalem bezeichnete ein anderer Hamas-Sprecher als «heroischen Akt». Hussam Badran erklärte: «Dies war die natürliche Reaktion auf die Verbrechen der (israelischen) Besatzungsmacht gegen unsere Zivilisten».

In Jerusalem hatte es in der Vergangenheit schon mehrmals ähnliche Anschläge mit Baufahrzeugen gegeben, etwa im Juli 2008. Damals waren drei Israelis getötet worden. Auch im März 2009 kam es zu einer solchen Amokfahrt, bei der zwei Polizisten verletzt und der Fahrer erschossen wurden.

(L'essentiel/dpa)

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