In Luxemburg – Bauernhof in Aspelt versorgt 110 Häuser mit Strom
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In LuxemburgBauernhof in Aspelt versorgt 110 Häuser mit Strom

ASPELT – Christophe Ernster (33) betreibt seit 13 Jahren einen Bauernhof mit 150 Hektar Land und einer Herde von 300 Kühen. Seine Ehefrau unterstützt ihn in Vollzeit.

«Bauer zu sein ist harte Arbeit, aber für mich ist es der schönste Beruf der Welt». Mit diesen Worten beschreibt Christophe Ernster seinen Alltag. Der heute 33-Jährige ist auf dem Hof seiner Eltern aufgewachsen. Er hätte wie seine Schwester – die heute als Krankenpflegerin arbeitet – ein ganz anderes Leben führen können. Dennoch entschied er sich nach seiner Ausbildung im Ettelbrücker Lycée agricole dafür, Landwirt zu werden. 2008 übernahm er im Alter von 20 Jahren den Familienhof in Aspelt bei Frisingen.

«Meine erste Entscheidung war, den Hof auf ein Stück Land außerhalb des Dorfes zu verlegen», erzählt Ernster. Eine gute Entscheidung, die es ihm ermöglichte, heute einen High-Tech-Hof mit 150 Hektar Land zu leiten. Seine Herde besteht aus rund 300 Milchkühen und Fleischkälbern. Auch Getreide baut er an und seit kurzem züchtet er Hühner. Die Eier werden in einem Verkaufsautomaten im Dorf verkauft. Diese Idee stammte von seiner Ehefrau Anna. Die 33-Jährige hat 2011 ihren Beruf als Erzieherin aufgegeben, um sich ganz dem Hof zu widmen.

«Fünf bis sechs Tage Urlaub pro Jahr»

An Ideen und Anpassungsfähigkeit fehlt es dem Paar nicht. Demnächst soll auf den Dächern des Hofs eine 600 Kilowatt-Photovoltaikanlage installiert werden. Damit sollen insgesamt 110 Häuser in Aspelt mit Strom versorgt werden. Der Hof ist aber nicht nur diesbezüglich auf dem neuesten Stand der Technik. Selbst bei der Fütterung der Kühe assistiert eine Maschine. «Wir sind auf Facebook, wir lesen die Zeitung und tauschen mit anderen Leuten aus», sagt Ernster. Ihn ärgert, dass sein Beruf «oft einen schlechten Ruf hat». Dabei verfügen seine Tiere über genügend Platz und Freiraum. Jede Kuh hat ihren eigenen Namen. «Wir sind eine große Familie», betont der Bauer, der eine Kuh der Rasse Montbéliarde von 2016 in seiner Herde hat. «Sie ist die älteste Kuh in Luxemburg und hat uns bereits 100.000 Liter Milch gegeben!» sagt er stolz.

Unterstützung bekommen Christophe und Anne von einem Angestellten. Dies sei wichtig, um «fünf bis sechs Tage pro Jahr» mit ihren drei Kindern im Alter von 7, 8 und9 Jahren in den Urlaub zu fahren. «Das Wetter, Investitionen, der Mangel an Land, der Druck seitens des Staates: Natürlich ist es nicht immer einfach. Aber es ist genau das Leben, das ich will», sagt Ernster. Auch bei hohem Stress habe der Bauer nie daran gedacht aufzugeben. Er arbeite zwar täglich von 5.30 bis 19.30 Uhr, dafür sei er aber direkt neben dem Familienhaus. «Ich bin bei jeder Mahlzeit mit meinen Kindern zusammen», sagt er. Die Kinder sollen später ihren Beruf zwar frei auswählen können, doch der Apfel falle eben oft nicht weit vom Stamm. «Wenn unser 7-jähriger Sohn aus der Schule kommt, stellt er meistens seine Sachen ab und rennt sofort zu den Maschinen», sagt er.

(Nicolas Chauty/L'essentiel)

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