«Wie Mini-Schläge ins Gesicht»: Beleidigungen fühlen sich an wie Ohrfeigen – und hallen nach

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«Wie Mini-Schläge ins Gesicht»Beleidigungen fühlen sich an wie Ohrfeigen – und hallen nach

Auch Worte können wehtun – und das langfristig, wie eine niederländische Studie zeigt. Da spielt es keine Rolle, ob die Beleidigung an einen selbst oder an eine andere Person gerichtet ist.

von
Fee Anabelle Riebeling
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In bestimmten Situationen lassen sich auch friedfertige Menschen schon mal zu einem Kraftausdruck hinreißen.

In bestimmten Situationen lassen sich auch friedfertige Menschen schon mal zu einem Kraftausdruck hinreißen.

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Doch auch das sollte man tunlichst verhindern. Denn laut einer Studie aus den Niederlanden wirken verbale Attacken wie «Mini-Schläge ins Gesicht».

Doch auch das sollte man tunlichst verhindern. Denn laut einer Studie aus den Niederlanden wirken verbale Attacken wie «Mini-Schläge ins Gesicht».

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Das Forschungsteam um Marijn Struiksma von der Universität Utrecht hatte die körperliche Reaktionen auf negative, positive und neutrale Äusserungen mittels Messungen der Hirnaktivität und der Hautleitfähigkeit von rund 80 Probandinnen untersucht.

Das Forschungsteam um Marijn Struiksma von der Universität Utrecht hatte die körperliche Reaktionen auf negative, positive und neutrale Äusserungen mittels Messungen der Hirnaktivität und der Hautleitfähigkeit von rund 80 Probandinnen untersucht.

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Beleidigt zu werden ist nicht schön, sondern tatsächlich schmerzhaft. Und der emotionale Schock kann tagelang anhalten. Auch wiederholte Verbalattacken ändern daran nichts. Eine Gewöhnung findet nicht statt, wie niederländische Forschende im Fachjournal «Frontiers in Communication» schreiben.

Das Team um Neurowissenschaftlerin Marijn Struiksma von der Universität Utrecht hatte in seiner Studie die körperlichen Reaktionen auf negative Äußerungen mit Reaktionen auf positive oder neutrale Aussagen verglichen. Dafür zeichneten sie die Gehirnaktivität und Hautleitfähigkeit der rund 80 weiblichen Testpersonen auf, während diese Beleidigungen, Komplimente oder neutrale Sätze hörten, die ihnen oder anderen entgegengeschleudert wurden.

Gehirnaktivität wie bei Ohrfeigen

Dabei zeigte sich, dass selbst unter unnatürlichen Bedingungen – in einem Labor, ohne echte menschliche Interaktionen und mit Aussagen von fiktiven Personen – verbale Beleidigungen immer noch «ankommen» können, unabhängig davon, um wen es bei der Beleidigung geht, und dass dies auch nach Wiederholung noch der Fall ist.

Wie oft erlebst du Beleidigungen?

Die Forschenden berichten von kurzen Ausbrüchen von Gehirnaktivitäten im vorderen Teil des Gehirns der Zuhörenden, die sie beobachteten. Die Beleidigungen wurden als kleine Ohrfeigen wahrgenommen: «Wie Mini-Schläge ins Gesicht», so Struiksma laut einer Mitteilung. Deutlich weniger stark und ausdauernd waren die Reaktionen, wenn die Probanden und Probandinnen Komplimente oder neutrale Aussagen hörten.

Beleidigungen sind Zeichen sozialer Konflikte

Die Forschenden werten das als «Hinweis auf eine sehr schnelle und stabile Aufmerksamkeitsreaktion». Die Aufmerksamkeit unterliege einem sogenannten Negativitäts-Bias: Sie richtete sich automatisch stärker auf negative als auf positive Signale. Die verbalen Attacken signalisierten, dass es einen sozialen Konflikt gebe. Und das werde als bedrohlich empfunden: «Menschen sind äußerst soziale Wesen, die Wert darauf legen, ihre Beziehungen aufrechtzuerhalten.»

Die Studie hat jedoch Einschränkungen. So zeigt sie nur die Auswirkungen von Beleidigungen in einer künstlichen Umgebung. Es sei davon auszugehen, dass die Teilnehmenden die Beleidigungen als solche erkannt hätten, diese aber aufgrund des künstlichen Settings an Kraft verloren hätten, heißt es in der Mitteilung. Die Untersuchung von Beleidigungen in einer realen Umgebung sei aber ethisch nicht vertretbar. Dennoch zeigen die Ergebnisse eine erhöhte Empfindlichkeit unseres Gehirns gegenüber negativen Wörtern im Vergleich zu positiven Wörtern.

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