Kältewelle in Europa – Bereits 114 Menschen erfroren
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Kältewelle in EuropaBereits 114 Menschen erfroren

Die Kälte hat Europa im Griff. In Osteuropa sind mindestens 114 Menschen erfroren - vor allem Obdachlose. In Deutschland werden nun ungewöhnliche Maßnahmen gefordert.

Die bitterkalten Temperaturen haben Europa fest im Griff. Mit tödlichen Folgen: Am Donnerstag stieg wegen der anhaltenden Minusgrade die Zahl der Kältetoten in Osteuropa auf 114 an. Am Vortag waren es noch 79 Opfer gewesen. Berichten zufolge erhöhte sich die Zahl allein in der Ukraine um 20 Tote und in Polen um neun. Nach Angaben einer polnischen Regierungssprecherin handelte es sich bei den Toten vorwiegend um Obdachlose, die in ungeheizten Gebäuden Unterschlupf suchten.

Auch in Deutschland soll ein Obdachloser Opfer der eisigen Kälte geworden sein. Der 55-Jährige wurde am Donnerstagmorgen leblos auf einer Bank liegend gefunden worden. Wegen der anhaltenden Kälte plädierte der Sozialminister Nordrhein-Westfalens, Guntram Schneider (SPD), für unkonventionelle Hilfe für Obdachlose. In öffentlichen Einrichtungen, U-Bahnschächten oder im Eingangsbereich von Einkaufshäusern sollten die Wohnungslosen toleriert werden, auch wenn die Vorschriften dagegen sprächen, sagte der Minister in Düsseldorf. Bei den eisigen Temperaturen brauchten Menschen ohne Obdach besonderen Schutz und Solidarität der Gesellschaft.

Schiffsverkehr eingestellt

Wegen der zunehmenden Vereisung wird der Schiffsverkehr im norddeutschen Elbabschnitt ab Freitag eingestellt. Die Eisbedeckung des Flusses zwischen Dömitz (Mecklenburg-Vorpommern) und Geesthacht (Schleswig-Holstein) betrage mittlerweile mehr als 55 Prozent, nachdem zu Wochenbeginn noch völlige Eisfreiheit geherrscht habe, sagte eine Sprecherin des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lauenburg. Acht der zehn auf dem Abschnitt verfügbaren Eisbrecher würden nach Hamburg verlegt, um dort den Hafen passierbar zu halten.

In Serbien sind nach heftigen Schneefällen und Stürmen bis zu 11 000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Dorfbewohner in abgelegenen Bergregionen seien wegen vereister und verschneiter Straßen nicht zu erreichen, sagte ein Sprecher der Bereitschaftspolizei am Donnerstag. Etwa 6500 Haushalte seien betroffen. Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, die Straßen zu räumen, um die Bevölkerung zu versorgen. In den kommenden Tage würden weitere Schneestürme erwartet.

Tödliches Schneeschaufeln

Japan kämpft ebenfalls mit heftigen Schneefällen und eisigen Temperaturen. Mehr als 50 Menschen kamen nach amtlichen Angaben bei Unfällen im Schnee ums Leben. Bei vielen handelte es sich um ältere Menschen, die beim Schneeräumen von den Dächern fielen. Da es in ländlichen Regionen oft an jungen Menschen fehlt, müssen viele Alte die harte Arbeit selbst verrichten. Die meteorologische Behörde warnte vor weiteren schweren Schneefällen entlang der Japansee. Stellenweise türmte sich die weiße Pracht mehr als vier Meter hoch.

L'essentiel Online/meg/sda/dapd

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Wohnsiedlung in Warschau bei minus 30 Grad ohne Heizung

Bewohnern einer Warschauer Wohnsiedlung könnte nach einem Defekt der Heizungsanlage eine der kältesten Nächte bevorstehen. Insgesamt 16 Gebäude seien seit Donnerstag von der Hauptleitung abgetrennt und derzeit ohne Heizung und heißes Wasser, berichtete der Warschauer Lokalsender «TVN Warszawa». Die Reparaturarbeiten könnten bis Freitag dauern, hieß es. In der Nacht zu Freitag werden die bisher kältesten Temperaturen des Winters mit minus 30 Grad und darunter erwartet. (dpa)

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