Coronavirus – Bettel verkündet «historische Maßnahmen»
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CoronavirusBettel verkündet «historische Maßnahmen»

LUXEMBURG – Der Regierungsrat hat einer Krisensitzung tiefgreifende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus beschlossen.

Xavier Bettel verkündet heute bei der Pressekonferenz weitere Maßnahmen, um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen.

Xavier Bettel verkündet heute bei der Pressekonferenz weitere Maßnahmen, um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen.

Editpress/Tanja Feller

Die Schließung der Luxemburger Grenzen komme nicht in Betracht, sagt Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel (DP), «dann müssten wir auch die Krankenhäuser schließen». Trotzdem steht Bettel am Donnerstagabend, als er sich gemeinsam mit Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) nach einer außerordentlichen Sitzung des Regierungsrates erneut an die Menschen im Großherzogtum wendet, die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Denn die weiteren Maßnahmen der Regierung, um gegen die Ausbreitung des Coronavirus vorzugehen, sind für Luxemburg «historisch».

«Die Situation hat sich in den vergangenen 24 Stunden so sehr verändert, dass dies notwendig ist», sagt Bettel. Dies betrifft unter anderem die Besuchszeiten in Krankenhäusern und Altenheimen, die Schließung aller Schulen und Universitäten sowie das öffentliche Leben im Großherzogtum. Weil sich innerhalb eines Tages 19 weitere Menschen angesteckt hätten, müssten diese einzigartigen Maßnahmen ergriffen werden. «Wir müssen einfach aufpassen und die Ausbreitung des Virus maximal minimieren». Er betont, dass die Krankheit in über 80 Prozent der Fälle harmlos verlaufe, aber manchmal eben auch tödlich ende.

Alle Schulen werden geschlossen

Deshalb werden Bildungseinrichtungen ab Montag für zwei Wochen bis einschließlich 27. März geschlossen. «Das betrifft alle Schulen», sagt er, ob Grundschulen oder Berufsschulen. Auch sämtliche Kindergärten und Tagesstätten werden geschlossen. Gleichzeitig unterstreicht der Premier, dass weder schulfrei ist, noch die Schüler in Quarantäne sind. «Auch an der Universität bleiben die Türen geschlossen» und fügt hinzu, dass Bildungsminister Claude Meisch (DP) am Freitag um 10 Uhr in einer Pressekonferenz Detail erklären wird.

Um die Verbreitung einzudämmen, sollen besonders gefährdete Menschen, also Kranke, Menschen über 65 Jahre oder Menschen mit schweren Vorerkrankungen wie Krebspatienten, so weit als möglich zuhause bleiben, den öffentlichen Personennahverkehr zu Stoßzeiten meiden und möglichst über das Internet oder telefonisch ihre Einkäufe in Auftrag geben.

« Wir müssen davon ausgehen, dass ein großer Teil der Bevölkerung sich infiziert »

Eine Spezialregelungen gelte auch für Krankenhäuser und Altenheim. So seinen Besuche ab jetzt nicht mehr erlaubt.
Betroffen ist auch das öffentliche Leben. Bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen, etwa in Restaurants oder Kinos gelte eine maximale Obergrenze von 100 Personen, bei Veranstaltungen unter freiem Himmel ein Maximum von 500 Besuchern.

Der öffentliche Personennahverkehr soll verstärkt werden, um überfüllte Busse zu vermeiden. Die Menschen sind angehalten, Abstand voneinander zu halten und das öffentliche Leben weitgehend zu vermeiden.

Die Ausnahmesituation der vergangenen Tage bringe die eingerichtete Hotline an ihre Kapazitätsgrenze. «Wir versuchen, alle Fragen zu beantworten und das Call-Center zu verstärken», erklärt Lenert: «Die meisten Menschen, die sich infizieren, machen wohl eine ganz normale Grippe durch. Wir müssen davon ausgehen, dass ein großer Teil der Bevölkerung sich infiziert», sagt sie: «Wichtig ist, dass jene, bei denen der Krankheitsverlauf ernst und kritisch verläuft, die nötige Behandlung erreicht.»

Die wichtigsten Maßnahmen in Stichpunkten finden Sie hier.

(Michael Aubert/L'essentiel)

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