Armut in Luxemburg: Bettler in der Hauptstadt werden immer penetranter

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Armut in Luxemburg Bettler in der Hauptstadt werden immer penetranter

LUXEMBURG – Organisierte Bettler-Banden breiten sich in der Hauptstadt aus. Weil sie jedoch selbst Opfer von Menschenhändlern sind, ist es schwierig, diesen Menschen zu helfen und die Bürger dadurch vor ihnen zu schützen.

von
Jérôme Wiss
Des roumains mendient le 13 avril 2007 à un carrefour de calais. Depuis trois jours, une soixantaine de Roumains, des familles avec de très jeunes enfants, ont planté leurs tentes sur un terrain herbeux à Wimereux (Pas-de-Calais), au bord d'un chemin de campagne. Depuis plusieurs semaines, ils vont d'une habitation précaire à l'autre dans le Boulonnais, vivant de mendicité et suscitant la méfiance des mairies qui ne trouvent pas de solution pour eux. (Photo by PHILIPPE HUGUEN / AFP)

afp

Dreiste Bettelei scheint in Luxemburg zu einem ernsten Problem zu werden. Die Bürgermeisterin der Hauptstadt, Lydie Polfer (DP), musste dies am eigenen Leib erfahren: «Einer von ihnen hat mir eine ganze Schachtel Popcorn ins Gesicht geworfen», klagt die DP-Politikerin und stellt fest, dass sich die organisierte Bettelei in der Stadt – besonders am Hauptbahnhof und dem Hamilius – immer weiter ausbreiten würde. «Wenn wir nichts unternehmen, wird die Situation immer extremer», warnt Polfer. Die Mitglieder dieser Bettelringe hätten es vor allem auf ältere Menschen abgesehen, die sie verfolgen und belästigen, wenn sie kein Geld von ihnen bekommen.

Die Bürgermeisterin betont aber, dass man nicht alle Bedürftigen der Stadt über einen Kamm scheren dürfe: «Obdachlosen und Drogenabhängigen können wir helfen. Da haben wir verschiedene Hilfsstrukturen entwickelt.» Aber die «organisierten Bettler» seien nicht so leicht zu erreichen, weil sie selbst keine Entscheidungsgewalt über ihr eigenes Vorgehen hätten. «Das sind ja Opfer von Menschenhändlern und es ist wirklich schwer, ihnen zu helfen.» Ausgebildete Streetworker zumindest würden gar nicht erst an die betroffenen Menschen herankommen.

Weil der Gemeinde die Hände gebunden sind, sieht Polfer das Problem nun in der Verantwortung der Polizeibeamten. Kürzlich wurde ein Gesetz verabschiedet, das es den Polizisten erlaubt, Bettler, die sich unerlaubt in Hauseingängen aufhalten, von Ort und Stelle zu verweisen. Die Beamten würden dies auch jeden Morgen tun, jedoch, so Polfer, sollten die Polizisten auch schon am Abend von ihrem Recht Gebrauch machen. «Dabei geht es auch um hygienische Probleme. Die Gesundheit der Bürger muss geschützt werden», begründet die Bürgermeisterin.

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