Aufnahme läuft – Big Brother in deutschen Fußballstadien
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Aufnahme läuftBig Brother in deutschen Fußballstadien

Chaoten sollen in Zukunft mit Gesichtsscannern von Stadien ferngehalten werden. Die Pläne des deutschen CDU-Innenministers Lorenz Caffier sind umstritten.

Video-Überwachung von Sportfans sind umstritten. (Bild: Keystone)

Video-Überwachung von Sportfans sind umstritten. (Bild: Keystone)

Einlass nur mit Bild: Wer in Deutschland ein Fußballspiel besuchen will, muss sich vielleicht schon bald von einem Gesichtsscanner «filzen» lassen. Lorenz Caffier, CDU-Innenminister des deutschen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern und Vorsitzender der Innenministerkonferenz, will damit gewalttätige Fans von den Arenen fernhalten. Friedliche Besucher und Familien müssten sich diesem Prozedere auch stellen.

Die Geräte könnten die Gesichter der Besucher mit Bildern aus der Datei «Gewalttäter Sport» abgleichen und Alarm schlagen, wenn ein Problemfan ins Stadion will. Caffier geht davon aus, dass Stadionverbote zu wenig rigoros umgesetzt werden. Daher hat das Schweriner Innenministerium eine Machbarkeitsstudie zum Einsatz der Gesichtsscanner in Auftrag gegeben. Wie «spiegel-online» berichtet, soll mit dieser Studie auch die rechtliche Einsetzbarkeit geprüft werden.

Lob und Kritik

Datenschützer kritisieren die Big-Brother-Pläne scharf. Der Kieler Thilo Weichert, der in Deutschland wegen seines Kampfs gegen Facebook bekannt ist, äußert massive Bedenken. «Die Hoffnung, mit Gesichtserkennung Sicherheit in die Fußballstadien zu bekommen, ist absolut illusorisch», so der Datenschützer. Gemäß Weichert wären nicht nur Gewalttäter betroffen, sondern hauptsächlich unschuldige und unverdächtige Personen, die sich ein Spiel anschauen wollen.

Die deutsche Polizeigewerkschaft hingegen begrüßt die Pläne. «Ich halte das für eine sinnvolle Sache», sagt der Bundesvorsitzende Rainer Wendt. «Wir müssen alle rechtlichen und technischen Möglichkeiten ausschöpfen, um Schläger aus den Stadien herauszuhalten. Die Datei ‹Gewalttäter Sport› bietet dazu eine hervorragende Grundlage.» Nach offiziellen Angaben sind in dieser Kartei momentan rund 13 000 Personen erfasst.

(L'essentiel online/heg )

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