Treffen mit Merkel – Bleibt der Hund diesmal an der Leine, Herr Putin?
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Treffen mit MerkelBleibt der Hund diesmal an der Leine, Herr Putin?

Das erste Mal seit zwei Jahren besucht Angela Merkel Wladimir Putin in Russland. An Sotschi und die Präsidenten-Sommerresidenz hat sie allerdings nicht nur gute Erinnerungen.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel trifft heute den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Unter Palmen und frühlingshaften Temperaturen kommen die beiden Politiker in der Sommerresidenz des russischen Staatschefs im Badeort Sotschi zusammen.

Das wollte Putin so: Ein Treffen dort, wo er seine Freizeit verbringt. An diesen Ort dürfte Merkel wiederum wenig entspannende Erinnerungen haben: Als sie Putin dort 2007 in seiner Residenz traf, ließ der seinen schwarzen Labrador Koni herumlaufen. Merkel, der Hunde nicht geheuer sind, seit sie als Kind von einem gebissen wurde, gestand später, dass sie sich damals «tapfer bemüht» habe, locker zu bleiben.

Kann Merkel Putin wirklich beeinflussen?

Der aktuelle Besuch – der erste Russlandtrip Merkels seit zwei Jahren – dient unter anderem der Vorbereitung des diesjährigen G-20-Gipfels der führenden Industrie- und Schwellenländer in Hamburg, wo Merkel Gastgeberin ist. Weitere Themen dürften auch die Rolle Russlands in den Konflikten in der Ukraine und Syrien sein. Die Bundesregierung fordert von Moskau, Einfluss auf die prorussischen Rebellen im Osten der Ukraine zu nehmen.

Doch kann eine Merkel einen Putin wirklich beeinflussen? Immerhin hat «Russland sich in eine enorm wichtige politische Rolle hineingebombt» – so Norbert Röttgen von der CDU, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Sprich: Es fehlt ein Hebel, effektiv auf Russland einzuwirken.

Anreize schaffen und den Hund weglassen

Wenn überhaupt, so sind sich viele Beobachter einig, dürfte Merkel auf Anreize wie das Ende der wegen der Ukraine-Annexion verhängten Sanktionen gegen Russland setzen. Nur so könne man Moskau dazu bringen, das Minsker Friedensabkommen endlich umzusetzen und die russischen Separatisten mit ihren schweren Waffen abzuziehen.

Die Gespräche werden auf jeden Fall schwierig. Merkel hält sich im Umgang mit den starken Männern ohnehin an ihren Grundsatz «besser mit- als übereinander zu reden» – das sagte sie bereits 2007 bei einem Treffen mit Putin in Samara (und später auch bei ihrem Besuch bei Donald Trump dieses Jahr). Bleibt zu hoffen, dass Putin Merkel diesmal einen Auftritt von Labrador Koni erspart.

(L'essentiel/gux)

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