Viel Geld verloren – Börsengang von Börse endet im Desaster

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Viel Geld verlorenBörsengang von Börse endet im Desaster

Wer weiß am besten, wie ein Börsengang erfolgreich abgewickelt wird? Die Börse! Nicht immer, wie das Beispiel der drittgrößten US-Börse zeigt.

Entnervte Händler fühlten sich an den «Flash Crash» im Mai 2010 erinnert (Bild), als an der New Yorker Wall Street binnen weniger Minuten fast eine Billion Dollar an Marktwert verschwanden. (Bild: Keystone)

Entnervte Händler fühlten sich an den «Flash Crash» im Mai 2010 erinnert (Bild), als an der New Yorker Wall Street binnen weniger Minuten fast eine Billion Dollar an Marktwert verschwanden. (Bild: Keystone)

In den USA hat eine elektronische Handelsplattform ihren Börsengang vermasselt und die Zweifel am superschnellen Computerhandel bestärkt. Nach einer Serie von technischen Pannen musste die drittgrösste US-Börse BATS Global Markets die Notbremse ziehen. Am Tag ihres Marktdebüts musste sie sich schon wieder aus dem Handel verabschieden. Die BATS-Aktie stürzte vom Ausgabepreis von 16 Dollar auf weniger als einen Penny ab.

Entnervte Händler fühlten sich an den «Flash Crash» im Mai 2010 erinnert, als an der New Yorker Wall Street binnen weniger Minuten fast eine Billion Dollar an Marktwert verschwanden. Der desaströse Verlauf des Tags war für BATS am Freitagmorgen zwar noch nicht absehbar.

Schlechte Presse

Doch bereits in der Frühstückslektüre fanden sich für den Jäger etablierter Börsenbetreiber wie Nyse Euronext und Nasdaq OMX schlechte Nachrichten: Das «Wall Street Journal» berichtete auf der Titelseite, BATS sei in eine Untersuchung der US-Börsenaufsicht zum Hochfrequenzhandel verwickelt.

Unter Händlern war damit der Ton gesetzt, auch wenn das Vorhaben seit Monaten bekannt war. Kritiker des Angreifers aus Kansas fühlten sich bestärkt. Bereits zur Handelseröffnung knickte die Aktie auf 15,25 Dollar ein und geriet kurz darauf völlig unter die Räder. Diverse Transaktionen mussten storniert werden.

Kurz nach 10.45 Uhr - so die Darstellung von BATS - griff ein Softwarefehler auf alle Papiere mit Aktiensymbolen von A bis BFZZZ über. Die BATS-Aktie geriet in einen Abwärtsstrudel, an dessen Ende der völlige Handelsabbruch stand. An der Börse herrschte Chaos: Auch Apple-Aktien konnten nicht mehr gehandelt werden.

Fiasko kommt sehr teuer zu stehen

Dabei ging es für das 2005 gegründete Unternehmen nicht nur um den eigenen Börsengang. Es war auch der erste IPO überhaupt auf der Plattform. So dauerte es nicht lange, bis Experten Zweifel an der Kompetenz des Börsenbetreibers äußerten.

Das Fiasko dürfte die Beteiligten teuer zu stehen bekommen: Wenn BATS seinen Börsengang rückgängig macht, haben Investoren Anspruch auf rund 100 Millionen Dollar, die durch den Verkauf der Aktien an die Banken und andere Anteilseigner geflossen sind. Auf dem Spiel stehen zudem Millionen an Gebühren für Institute, die den Börsengang begleiten.

Umstrittener Hochfrequenz-Handel

Kritikern des superschnellen Computerhandels spült das BATS-Fiasko Wasser auf die Mühlen. Beim so genannten Hochfrequenz-Handel (HFT) kaufen oder verkaufen Computerprogramme auf Grundlage komplizierter mathematischer Algorithmen innerhalb einer Sekunde Tausende Male Wertpapiere.

Dadurch summieren sich selbst Kursveränderungen mehrere Stellen hinter dem Komma zu erklecklichen Gewinnen. HFT gilt als mitverantwortlich für die immer drastischeren Kursspitzen der vergangenen Jahre.

Politik und Regulierer bemühen sich um eine Beschränkung des Handels, andere warnen davor. Mit der Eindämmung des HFT gehen nach dieser Einschätzung die Kursschwankungen nicht zwangsläufig zurück.

(L'essentiel Online/sda)

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