Zweiter Hacker verhaftet – Bombe oder Blindgänger?

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Zweiter Hacker verhaftetBombe oder Blindgänger?

Die Schlinge um die «No-Name Crew» zieht sich zu. Deutsche Ermittler haben ein weiteres mutmaßliches Mitglied festgenommen. Der angedrohte Daten-GAU für Polizei und Zoll lässt auf sich warten.

Trotz der Verhaftung eines weiteren mutmaßlichen Mitglieds der Hackergruppe ist das brisante Material bisher nicht zugänglich gemacht worden. (Archivbild: Keystone)

Trotz der Verhaftung eines weiteren mutmaßlichen Mitglieds der Hackergruppe ist das brisante Material bisher nicht zugänglich gemacht worden. (Archivbild: Keystone)

Eigentlich müsste es jetzt für die deutschen Sicherheitsbehörden zum Schlimmsten kommen. Die Hackergruppe «No-Name Crew» hat bekanntlich Vergeltung angekündigt für den Fall, dass eines der führenden Mitglieder verhaftet wird («L'essentiel Online» berichtete). Die unbekannten Hacker drohen mit der Veröffentlichung von brisanten Informationen, die ihnen beim Durchstöbern der Polizei-Computer in die Hände gefallen sind.

Entgegen dieser Ankündigung wurde das Passwort für die im Internet bereitgestellte Datei nicht automatisch veröffentlicht. Dies hätte am Montagabend um 19 Uhr eigentlich der Fall sein müssen. Auf Twitter kursierten allerdings auch Gerüchte, dass die Behörden eventuell den falschen Mann verhaftet hätten und deshalb noch keine Publizierung des «Master-Leaks» stattfand.

Vor Zugriff verschlüsselt

Wie Spiegel Online berichtet, haben deutsche Ermittler am Montag einen weiteren Verdächtigen festgenommen. Es soll sich um einen jungen Mann aus Kaiserslautern handeln, der am Angriff auf einen Server der deutschen Bundespolizei beteiligt gewesen sein könnte.

Bereits am Sonntagabend hatte eine Spezialeinheit die Wohnung eines 23-Jährigen im Westen Deutschlands gestürmt und ihn verhaftet. Der junge Mann soll unter dem Pseudonym «Darkhammer» aktiv gewesen sein. Laut «Spiegel Online» ist er wegen räuberischer Erpressung vorbestraft und arbeitslos. Bevor die Polizisten den Mann überwältigen konnten, gelang es ihm anscheinend, einen Laptop zuzuklappen und dadurch die auf dem Gerät gespeicherten Daten zu verschlüsseln.

Die Beamten stellten zahlreiche Computer und Zubehör sicher. Sollte der Mann allerdings eine Verschlüsselungs-Software wie Truecrypt verwendet haben, dürfte es den Forensik-Experten schwer fallen, an die gespeicherten Daten zu kommen.

Website nicht erreichbar

Die Website der «No-Name Crew» war am Dienstagmorgen nicht erreichbar. Auch am Montag gab es bereits Probleme mit der Verbindung - der Server schien überlastet. Am Montagnachmittag wurde laut «Spiegel Online» die Startseite deaktiviert, am Abend ging auch der Chatraum der Hackergruppe offline. Die Download-Seite war hingegen weiter verfügbar. Dort hatten die Hacker die verschlüsselte, über 700 Megabyte große Datei hinterlegt. In diesem Archiv sollen zahlreiche vertrauliche Dokumente von Zoll, Bundespolizei und Bundeskriminalamt gespeichert sein.

Längst wird die verschlüsselte «Mega-Leak»-Datei auch über das Peer-to-Peer-Netzwerk BitTorrent verbreitet. Das Portal «The Pirate Bay» stellt den Link zur Original-Datei bereit.

Die Server der deutschen Bundespolizei wurden bereits im Herbst 2010 mit Trojanern verseucht. Die Behörden merkten aber lange Zeit nichts, Standard-Virenprogramme schlugen nicht Alarm und so konnten die Hacker heimlich die geheime Kommunikation zwischen verschiedenen Dienststellen aufzeichnen. Dabei soll es auch um Ermittlungen gegen Drogenhändler und Fälle von Menschenhandel gegangen sein.

L'essentiel Online/dsc

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